Bővebb ismertető
m Kielwasser des Fortschritts
Herbert Liedel und Helmut Dollhopf
Der Bau des Maln-Donau-Kanals hat während seiner 15jährigen Bauzeit gravierende Veränderungen im Landschaftsbild des Altmühltals und des Ottmaringer Tals hervorgerufen. Wo einst unberührte Natur um die idyllischen Schleusen des Ludwigskanals, der sich in seinen kleinen Dimensionen der Feingliederung des Raumes noch unterordnete, vorzufinden war, durchschneidet heute das Tal eine Wasserautobahn von gigantischen Ausmaßen. Sie wird umgeben von einer künstlichen Ersatzlandschaft, geprägt von den Folgeerscheinungen der veränderten Raumstrukturierung, wie Umgehungsstraßen, Zufahrtswege, Aushubablagerungen, Brük-kenkonstruktionen und Neuansiedlungen. Neuanpflanzungen, am Reißbrett entstandene Biotope und Badeseen dienen dem Zweck, die Tragweite der Zerstörungen zu mildern, Verwundungen vernarben zu lassen.
Dem heutigen Besucher fällt es darum oft schwer, sich an den ursprünglichen Zustand zu erinnern. Zu schnell entschwindet die Erinnerung, zu leicht werden somit Verluste verschmerzt oder in Kauf genommen, zu selbstverständlich werden Ersatzlösungen als gegeben und normal akzeptiert.
Speziell durch die Fotografie ist uns ein Mittel gegeben, Gegenwart im Bild einzufrieren und dem Vergessen Widerstand entgegen zu setzen; die Do-
kumentarfotografie gibt die Möglichkeit, unsere immer rascher sich verändernde Umwelt mit der Kamera zu protokollieren. Wobei die subjektive Einflußnahme des Fotografen geringzuhalten ist, um eine möglichst neutrale Darstellung zu erreichen. Empfindet der Fotograf allerdings bei der Aufnahme das Bedürfnis der Stellungnahme, so steht er im Spannungsfeld zwischen Interpretation und objektiver Wiedergabe des Bildinhalts.
Mit diesem Buch haben wir den Versuch unternommen, Dokumenten des unzerstörten Altmühltals und des Ottmaringer Tals Bilder der Bauphase und des aktuellen Zustands gegenüberzustellen, um durch den unmittelbaren Vergleich Erkenntnisprozesse in Gang zu setzen. Bei der Auswahl der Motive leitete uns der Naturschutzgedanke, dies insbesondere nach der 1981 erfolgten Veröffentlichung unseres Bildbands »Der alte Kanal — damals und heute«, einem Plädoyer für die Schutzwürdigkeit der Kanalromantik von Bamberg bis Kelheim. Dies zu einem Zeitpunkt, als bereits die ersten Bauarbeiten im Altmühltal noch unter heftigen Protesten der Landschaftsschützer begonnen hatten. Seither besuchten wir weiterhin regelmäßig mit der Kamera die jeweiligen Bauabschnitte und registrierten jedesmal schmerzlich die wachsenden Verluste. Wir erlebten hautnah, wie ein Stück unserer Heimat un-