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VOM MYTHOS ZUR GESCHICHTE
Der Berg Athos, der «Heilige Berg» (Hagion Oros) der Orthodoxie, ist der östlichste der drei Ausläufer der Halbinsel Chalkidiki, die zwischen dem Thermäischen und dem Strymonischen Golf in die blauen Gewässer der Ägäis hineinragen. Er ist ungefähr 60 Kilometer lang und 8-12 Kilometer breit, seine Fläche beträgt etwa 360 Quadratkilometer. An seinem Ansatz ist der Boden flach, mit einigen Ebenen und niedrigen Hügehi. Im weiteren Verlauf erhebt sich eine Reihe von Gipfeln, deren Höhe allmählich zunimmt und die schließlich in die nackte und steile, hochragende Marmorpyramide des Athos übergehen, deren Höhe, vom Meeresspiegel aus gemessen, 2000 Meter übersteigt.
Rund um den Namen und die ältere Geschichte des Berges gibt es zahlreiche voneinander abweichende Legenden und ÜberUeferungen. In der Antike wurde diese ganze schmale Halbinsel Akte genannt. Athos — das Wort ist sicher vorgriechischen Ursprungs — ist der Name eines thrakischen Giganten, der nach der einen Ansicht diese Steinmasse gegen Poseidon geschleudert haben soll bei einem der Zusammenstöße zwischen Giganten und Göttern in der Urzeit. Es gibt aber auch noch eine andere Version, nach der Poseidon den rebellischen Giganten in jenem furchtbaren Kampf der Gigantomachie besiegt und unter dem großen Felsen begraben haben soll.
Nach einer anderen Legende, die von vielen geschichtlichen Quellen angeführt wird, wollte Deinokrates, der Architekt Alexanders des Großen, den ganzen Athos bearbeiten, um ihm die charakteristische Gestalt des makedonischen Königs zu geben, der in der einen Hand eine menschenreiche Stadt hätte halten sollen, während sich aus der anderen, als eine Art Weihespende, ein wasserreicher Fluß ins Meer ergossen hätte. Alexander habe dies jedoch abgelehnt und sogar befohlen, daß der Berg in Ruhe gelassen werden sollte, vielleicht weil er seinen Erben nicht ein zweites Werk der Eitelkeit und Ruhmsucht hinterlassen wollte, nach jener des Xerxes. Und er meinte damit den Kanaldurchstich durch den schmalen Isthmus der Halbinsel zwischen dem Golf von lerissos und dem
1. Die Mönchssiedlung Katounakia in der «Erimos», mit einzeln gelegenen Hütten (Kalyves) und Ruhestätten (Hesychasterien).