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DERDOM ZU MEISSENRagender Dom der Gotik und wehrhafte Burg mit Palas. Türmen und Zinnen: in dieser Vereinigung weltlicher und geistlicher Machtdokumentation ballt sich geistig und architektonisch all das zusammen, was uns das Mittelalter als monumentale Dokumentation seiner gesellschaftlichen Ordnungskräfte und Herrschaftsgedanken überliefert hat. Diese Vereinigung auf dem Burgberg zu Meißen, gewachsen vom hohen bis zum späten Mittelalter und weitere Jahrhunderte historischer Vergangenheit bergend, ruft in seiner bevorzugten landschaftlichen Lage stets wieder eine lebendige Atmosphäre künstlerischer Gestaltwerdung hervor. Wer je den Burgberg im Laufe eines sonnengesättigten Sommertages mit Einfühlung in Landschaft, Geschichte und Kunstwerk erlebte, wird von dieser Atmosphäre wissen. Und wer dann abschiednehmend Dom und Burg am Elbstrom im scheidenden Abendglanz erstrahlen sah, wird von einer ergreifenden Sehnsucht gepackt worden sein, die wir mit dem ebenso vieldeutigen als auch gemütstiefen Begriff der Romantik kennzeichnen. Burg und Dom sind als historisch-architektonische Einheit kein zweites Mal auf deutschem Boden zu solch einer künstlerischen Ausdruckskraft verschmolzen. Freilich haben Jahrhunderte unter dem Zwang der Notwendigkeit auf dem Meißner Burgberg gebaut, ehe die Kunst ihre edle Herrschaft antreten durfte. Im Angesicht der ernsten Würde der Geschichte und der Kunst von Schönheit zu sprechen, mag in vielen Fällen eine Banalität sein. Hier darf es geschehen, wo die stumme Sprache geformten Steines jedes intellektuelle Wissen übersteigt. Und ebenso wie die Schönheit an dieser Stelle Ehrfurcht gebietet, erfordert auch die Geschichte ein gedenkendes Verweilen und Sichneigen. Wie jene, so spricht auch sie durch die gestalteten Kräfte zu uns.Links: Grundriß mit Kreuzgang, Maria-Magdalena-Kapclie und östlichen Anbauten Titelbild: Der Dom von Westen