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DER TOWER VON LONDONvon Olwen HedleyObgleich der Name 'Tower von London* seit langem zur Kennzeichnung der Gesamtheit der von König Wilhelm L, dem 'Eroberer', gegründeten Festxmg und des königlichen Palastes benutzt wird, galt er ursprünglich dem zentralen und beherrschenden Merkmal, dem Hauptturm. John Stow, der in der Londoner City geborene imd aufgewachsene Altertumsforscher des 16. Jahrhimderts, sagt in seiner im Jahre 1598 zum ersten Mal veröffentlichten Aufzeichnung Sur-vey of London, daß Wilhelm zur Verteidigung der Stadt 'diesen Turm, bei dem es sich um einen großen viereckigen Turm handelte, der heute der Weiße Turm gennant wird, baute'.Wilhelm baute den Turm zur Einschüchterung sowie Verteidigung der Stadt - eine Taktik, von der seine Oberherrschaft und die Zukimft des Königreiches abhing. Er selbst war Herzog der Normandie, ein Cousin des letzten Sachsenkönigs Eduard des Bekenners, der am 5. Januar 1066 verstarb, imd sein Anlegen an der Küste der Grafschaft Sussex sowie sein Sieg bei der Schlacht von Hastings am folgenden 14. Oktober brachte ihm seine neue Krone. Hastings war lediglich der Anfang seines Triumphes. Die Bürger Londons zeigten sich abgeneigt, ihn willkommen zu heißen, und erst im Dezember, als er bedächtig westlich und nördlich der Hauptstadt umhergeritten war, erklärten sich ihre Vertreter bereit, mit ihm zusammenzutreffen, und 'unterwarfen sich notwendigerweise'. Er wiederum 'versprach ihnen, ein gütiger Herr zu sein': er verließ sich jedoch nicht auf Verein-banmgen allein. Vor dem Betreten Londons sandte er eine Abteilung voraus, um mit der Errichtung befestigter Stellungen zu beginnen, und nach seiner Krönung in der Westminster-Abtei am 1. Weihnachtsfeiertag zog er sich ostwärts nach Barking zurück, 'während gewisse Festungen in der Stadt gegen den Wankelmut des ungeheuren und hitzigen Volkes errichtet wurden'.Es waren derer drei, die alle an der Themse lagen. Zwei später als Bay-nard's Castle und Montfichet Castle bekannte standen im Westen und haben nicht überlebt. Die dritte, der Tower von London, wurde in der damaligen südöstlichen Ecke der Stadt unmittelbar innerhalb der während der römischen Besetzung gebauten und von Alfred dem Großen im Jahre 885 wiederhergestellten Grenzmauer, einem On größerer als nur lokaler Bedeutung, errichtet. Die Themse-Einmündung war seit unvordenklichen Zeiten eine der Hauptzugänge nach Großbritannien gewesen, und da sich London als der niedrigste Punkt hervorhebt, an dem sich der Fluß leicht überbrücken läßt, beherrschte der Tower die östlichen Zugänge sowohl auf dem Wasser als auch auf dem Land und bot eine vollkommene Überwachung der vorbeifahrenden Schiffe.Die römische Mauer, von der noch ein Teil in den Tower-Umfriedungen erhalten ist, bildete die Ostseite eines ursprünglich vielleicht kleinen Garnisonsforts, das im Süden durch den von Ebbe und Flut abhängigen Fluß und im Westen und Norden durch einen Wall sowie einen neu ausgehobenen Graben begrenzt wurde. Die Arbeiten wurden von Gundulf, einem Mönch aus Bec in der Normandie, geleitet, der zum Bischof von Rochester geweiht wurde und dessen sowohl aufgrund seiner fähigen Verwaltung als auch seiner persönlichen Unverletzlichkeit gedacht wird. In einem späteren Hinweis wird angedeutet, daß der erste Konnetabel ein Normanne namens Ravenger gewesen sein könnte, der ca. 1086 starb.Gundulf errichtete ca. 1076 das Grundmauerwerk des Weißen Turms -ein dreistöckiges Burgverlies mit Caen-Steinverkleidung, das auf einem gewölbten, einen 12m tiefen Brunnen enthaltenden Fundament steht. Die wunderschöne ganggewölbte, sich durch die oberen beiden Stockwerke hindurch erstreckende und über einer Krypta und Nebenkrypta befindliche KöniglicheKapelle des St. Johannes des Evangelisten in seiner südöstlichen Ecke stammt imgefähr aus dem Jahre 1080; der Turm war jedoch noch nicht vollendet, als Wilhelm der Eroberer sieben Jahre später in Rouen starb. Sein Sohn Wilhelm II. fuhr mit der Arbeit fort, die ca. 1097 vollendet wurde. Der 27,5m hohe Weiße Turm mit Mauern, deren Dicke zwischen 4,5m am Fuß und 3,3m in dem obersten Stockwerk schwankt, erhebt sich heute als das größte Denkmal der normarmischen Eroberung, einem der bedeutendsten Ereignisse in der englischen Geschichte.Der Eingang im ersten Stockwerk an der dem Fluß gegenüberliegenden Südfront wurde ursprünglich über eine in dem 17. Jahrhundert abgerissene Steintreppe erreicht. Er wurde danach lange Zeit durch eine verglaste Öffnung ersetzt, wobei stattdessen ein an der Nordfront zu ebener Erde gelegener Eingang benutzt wurde; im Jahre 1974 wurde der ursprüngliche Eingang jedoch wieder geöffnet und eine gewaltige Holztreppe zu ihm führend errichtet, so daß der Weiße Turm wiederum auf dem Weg betreten wird, der von Gundulf geplant war und der eher schrecklich als einladend wirken sollte. Sicherheit, das Wesentliche seiner baulichen Leistung, wird weiterhin durch die unterschiedlichen inneren Steintreppenaufgänge in den Ecktürmchen unterstrichen, von denen drei quadratisch sind, während das vierte im Nordosten rund ist; diese Eckwendeltreppen stellten den einzigen Verbindungsweg zwischen den einzelnen Stockwerken dar, und nur eine, der Haupttreppenaufgang in dem nmden Nordosttürmchen, verläuft durchgehend von dem oberen Stockwerk bis zu dem Erdgeschoß.Der Name 'Weißer Turm' erinnert an den blendenden Kunstsinn Heinrichs III., der den Hauptturm innen und außen weiß tünchen ließ. Er war es, der mit der Erweiterung der Umfriedungen in die fast quadratische konzentrische Festung begann, die heute 7^ ha ein-