Bővebb ismertető
USA IN WORT UND BILD
Heft 6 JUNI1955
INHALTSVERZEICHNIS
i Sergio Segre: Die Älteste und Kleinste
4 Italien: Präsidentenuiedisel
5 Philippe Targis: Parfumstadt Grosse in sfhlechtem Geruch (siehe Titelbild)
8 Meineidhusiness IV
9 5.10 Uhr im Paradies
12 IG-Farben-Institut als Infektionsherd
13 Segen wird zum Fludi
17 Vom Reporter notiert
18 Culture to the masses
19 Gigi Forsi, Milano: Schatten auf der Leinwand
25 Der sdiwarze Montag
26 Dokumente
29 „Wir ham's g'sdiafftr sagt man in Wien
32 Mr. Moneymaker
33 Der Reporter meint
35 Der Kabeljaukrieg von Island
36 Peter Hoff:
Ein Girl aus Alabama
40 Die Pinsel
Rätsel des Reporter
SERGIO SEGRE
DIE ÄLTESTE UND KLEINSTE
Als ich im vergangenen Herbst in San Marino ankam, setzte mich der Fahrer um 10 Uhr abends vor einer mächtigen Festung ab, und ich stand allein vor Toren und Zinnen. Es war neblig, und die Zinnen ähnelten Riesenzähnen. Die Straßen waren leer und die Luft kühl. Inmitten dieses Schweigens war meine erste Empfindung, ich sei in ein anderes Zeitalter versetzt, einige Jahrhunderte zurück, und hinter der nächsten Ecke könnten plötzlich in bischöflichen oder fürstlichen Diensten stehende Söldner vor mir auftauchen. Doch der Klang einer jungen Stimme rief mich in die Gegenwart zurück. Ein Junge stand neben mir und fragte mich freundlich: „Wünschen Sie etwas? Suchen Sie ein Hotel?"
Ich war noch nie in San Marino gewesen und wußte nur recht wenig über die Republik, die auf einem weiß-blauen Banner das Wort „Liberias" in das Wappen eingestickt trägt. Manche Leute nennen San Marino „Die rote Republik diesseits des Vorhangs". Das „Rot" hat San Marino in der Tat in seiner langen Geschichte oft kennengelernt, von der Zeit an, da Kardinal Alberani versuchte, die Freiheit und die Unabhängigkeit der Republik zu vernichten, bis zu den Tagen, da die amerikanischen Bomber ihre Neutralität verletzten. Seit Kriegsende ist San Marino „rot", weil dies die politische Farbe der Männer ist, die durch die Stimmen der Sozialisten und Kommunisten in die Regierung berufen wurden.
Am Tag meines Besuches bereitete sich San Marino auf eines der beiden großen Feste vor, die jedes Jahr stattfinden: Die Einsetzung der „Capitani Reggenti" in ihr Amt, die die Republik sechs Monate lang regieren. Am nächsten Morgen herrschte die freudige Atmosphäre, die solchen Tagen eigen ist: festlich gekleidete Menschen, Fahnen, Uniformen, ein lebhaftes Treiben in allen Straßen. Das Zeremoniell der Feierlichkeiten ist uinständlich und kompliziert. Die Feiern dauern von 8 Uhr früh bis ungefähr 13 Uhr. Vom Regierungspalast über den Valloni-Palast zur Kathedrale und wieder zurück zum Regierungspalast zur feierlichen Einsetzung der Regierenden bewegt sich der Festzug durch die Straßen unter Kanonendonner und dem Flattern der Fahnen, mit Militärmusik und der Miliz in ihren schmucken Uniformen und der Ehrengarde, eine seit Jahrhunderten regelmäßig wiederholte feierliche und eigenartige Zeremonie. Das ganze Zeremoniell hat zweifellos etwas naiv
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