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ZWANZIG JAHRE DEUTSCHE STAATSOPER BERLIN Prof. Dr. Hans PischnerAuferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt", das sei auch das Leitwort für einen Rückblick auf die Geschichte der Deutschen Staatsoper der letzten zwanzig Jahre.Inmitten der Ruinen, die der Faschismus nach seiner Niederschlagung durch die Rote Armee in Berlin hinterliefj, erteilte bereits wenige Tage nach der bedingungslosen Kapitulation Hitler-Deutschlands der damalige Stadtkommandant von Berlin, Generaloberst Bersarin, den Befehl zur Wiedereröffnung der Theater in Berlin. Das einstige Stammhaus, die Oper Unter den Linden, war den Bőmben zum Opfer gefallen. In der vorgesehenen neuen provisorischen Spielstátte, dem früheren Admiralspalast, hatte am Ende des Krieges die SS Pferde einquartíert.Allén Schwierigkeiten zum Trotz nahmen mutige, für einen demo-kratischen Neuaufbau Deutschlands begeisterte Kulturschaffende ihre Tátigkeit mit Unterstützung der damaligen sowjetischen Militár-Administration auf. Einer dieser Pioniere der ersten Stunde war Ernst Legal, dem der Wiederaufbau der Staatsoper, der Beginn ihrer Tátigkeit am 8. September 1945, immer wieder zu danken sein wird. Es war kein Zufall, daL gerade Ernst Legal diese Aufgabe übertragen wurde. In ihm verkörperte sich ein Stück progressiver Opern-geschichte Deutschlands der Zeit, als er von 1928 bis 1931 Intendant der Kroll-Oper war.Als am 8. September die Deutsche Staatsoper (wie sie nun hiefj) wieder eröffnet wurde, war auch ein Kapitel widerspruchsvoller Geschichte der Oper Unter den Linden abgeschlossen. Ein neues Kapitel wurde eröffnet.Warum widerspruchsvolle Geschichte dieses Operninstituts? Als Staatstheater der Hauptstadt Deutschlands war diese Oper seit ihrer Gründung durch Friedrich II. immer besonders mit der offiziellen Ideologie der jeweiligen Tráger des preufjischen Staatsgedankens und darüber hinaus auch mit den Geschicken des jeweiligen deutschen Staates verbunden. - Und das nicht immer zu ihrem Vorteil! Das ist verstándlich angesichts des Kampfes, der zwischen Fortschritt und Reaktion in Deutschland bis zur Befreiung im Jahre 1945 ge-führt werden mu^te. Weite Strecken der Geschichte dieses bis 1945 Preu§ischen Operninstituts wurden vom Denken des Hofes und spá-ter von den Einflüssen reaktionárer Kráfte im Staatsapparat, auch der Weimarer Republik, bestimmt. Es hat andererseits auch nie an mutigen Mánnern gefehlt, die diesem Institut ein eigenes Gesicht zu gebén versuchten. Gráf Brühl mufjte um die Aufführung der WerkeWebers kámpfen, Wagner und Strauss wurden nicht in Berlin uraufgeführt, und Kleiber wurde wegen seiner Aufführungen des Wozzeck" von Berg und des Columbus" von Milhaud von einer reaktionáren Presse heftig angegriffen.Zum Verband der Preufjischen Staatstheater gehörte in den Jahren von 1925 bis 1931 auch die Kroll-Oper unter Ernst Legal. Aus dem Verháltnis dieser beiden Háuser ergab sich damals eine eigen-artige Problematik. Der frühere Dramaturg der Kroll-Oper, Dr. Cur-jel, formulierte nicht unrichtig: Berlin hat eigentlich immer zwei Aspekte gehabt. Es hatte einen regierungstreuen Aspekt und einen rebellischen Aspekt. Der regierungstreue Aspekt z. B. vor 1918 hiefj Siegesallee, und der rebellische Aspekt hiefj das moderne Theater mit Gerhart Hauptmann und allém, was dazu gehörte. Der regierungstreue Aspekt im Jahre 1925 hieL Staatsoper Unter den Linden, der rebellische Aspekt hiefj auf der anderen Seite Jessner, und dieser rebellische Aspekt sollte die Kroll-Oper nun auch ausfüllen und sollte dort einen Beitrag leisten."Der eigentliche Kopf der Kroll-Oper war damals ein Dirigent, nám-lich Ottó Klemperer, der sich nicht nur um musikalische Dinge, nicht nur um das Orchester und die Sánger, sondern eben um die ganze Aufführung kümmerte. Den Verantwortlichen dieser Oper ging es um die Gewinnung einer neuen Zuhörergemeinschaft in Zusammen-arbeit mit der damaligen Volksbühne. Klemperer vertrat das En-sembleprinzip und arbeitete mit solchen Regisseuren wie Fehling, Gründgens und Legal, mit Bühnenbildnern wie Caspar Neher und Schlemmer. Sicher führten abwegige Experimente auch zu extrem formalen Lösungen, die das Theater auch in eine gewisse Isolierung führten. So fiel es im Jahre 1931 den reaktionáren Kráften im preu^i-schen Staatsapparat schliefjlich leicht, aus wirtschaftlichen Gründen" in Berlin die Kroll-Oper zu schliefjen und gleichzeitig auch noch die sogenannte dritte Piscator-Bühne, die Wallner-Bühne, die sich am konsequentesten mit der Arbeiterklasse verbunden hatte. Die einzige Partei, die damals im Preufjischen Landtag gegen die Schliefjung dieser Theater stimmte, war die Kommunistische Partei Deutschlands. Warum rufen wir diese Tatsachen ins Gedáchtnis zurück? Sie sind ein Stück lebendiger deutscher Operngeschichte, mit der sich eine Deutsche Staatsoper im Jahre 1965 auseinanderzusetzen hat, wenn sie ihren eigenen Weg ausarbeiten will.Die Fragestellung ist gegeben: Soll eine Staatsoper im Sinne kon-servativer Traditionen áufjere Reprásentation sein oder nicht viel-mehr ein Theater, das ins Leben eingreift? Die Frage wird beant-Der Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, und seine Gattin werden von Prof. Dr. Hans Pischner in der Deutschen Staatsoper empfangen