Bővebb ismertető
Es ist stets etwas heikel, die Schönheiten eines Landes zu preisen, besonders Mensehen gegenüber, die dieses Land zu besuchen gedenken. Jede Reise ist ein Abenteuer für Leib und Seele, das nur allzu leicht mißraten kann.Und doch nehme ich dieses Risiko gern auf mich. Die in diesem Band zu.sammengeslellten Bilder könnten den Eindruck einer ein.seitigen Voreingenommenheit wecken. Gewiß ist die Bretagne meine vielgeliebte Heimat, aber ich spreche hier nicht als Bretone, sondern als ein Men.sch. der zwei Weltkriege erlebt, viele Länder und Menschen kennengelernt und zahlreiche Meinungen gehört hat. Und ich habe erfahren, daß nur wenige Menschen dem Zauber der Bretagne widerstehen können. Noch heute ist sie für Frankreich wie für ganz Europa ein finis terrae" von ganz eigenartiger, ursprünglicher Schönheit.Sehr viele Gegenden Europas haben unter dem Zweiten Weltkrieg, dem wuchernden Städtebau, dem gleichförmigen Ausbau der Verkehrswege und den damit verbundenen Veränderungen des Landschaftsbildes, dem hemmungslosen Bau von Zweitwohnungen und Ferienhäusern, dem ungesteuerlen Campingwesen und vielem anderen gelitten, aber man darf sagen, daß diese Widrigkeiten der Bretagne nur wenig anzuhaben vermochten. Der Besucher, der sich von den stets mögliehen kleinen Enttäuschungen nicht beeinflussen läßt, wird erfahren, wie ihn in diesem Land ganz von selbst Staunen und Freude überkommen - die Freude und Lust, am Leben zu sein, wie in Kindertagen die vielgestaltigen Formen des Himmels, der Erde und des Meeres zu bestaunen, das Glück, diese Bilder festzuhalten. Ich denke hier an jene Österreicher, die sieh in einem Restaurant von ihrem Tisch erhoben, um die riesigen Krabben zu fotografieren, die man ihnen auftischte, oder an eine Gruppe von Engländern, die sich mit ihren Skizzenblöcken an die Felsenriffe von Belle-Ile preßten, um die sich auf den Wellen brechenden Sonnenstrahlen einzufangen, die einst Claude Monet bezaubert hatten Angesichts des eindrucksvollen Schlosses von Nantes meinte König Heinrich IV die Herzöge der Bretagne seien wahrlich keine unscheinbaren Leute" gewesen.Un.scheinbar ist auch die Bretagne nicht, weder für Frankreich noch für die Besucher, die sieh dem Zauber dieses Landes öffnen.Auf rund 35000 Quadratkilometern leben mehr als dreieinhalb Millionen Menschen. Die Provinz ist gut durchstrukturiert. wohlbewässert und sehr vielgestaltig. Zwar bietet das geologisch uralte Land dem Bergfreund keinen einzigen Gipfel, der 400 Meter übersteigt, aber um so mehr rechtfertig es die Bezeichnung Armorikanische Halbinsel" (von kelti,sch amw/-^Küste): Von der Bucht von Mont-Saint-Michel (die teilweise zur Bretagne gehört) bis Pornic (denn die Halbinsel reicht über die Loire-Mündung hinaus) ist die im Norden vom Ärmelkanal, im Westen und Süden vom Atlantik umspülte, ungemein abwechslungsreiche Küste dreitausend Kilometer lang! Geröll-und Sandstrände, felsige Steilhänge und flache Landzungen, schroffe Klippen und bewaldete Hügel, Landengen und Inseln, Riffe und tief eingeschnittene Buchten wechseln sich ab. Es gibt eine Smaragdküste, eine Perlmuttküste und hundert andere, denn hier finden sieh alle Farben des Regenbogens. Und das Watt- jene Zone, die sich Meer und Land im endlosen Spiel von Ebbe und Flut unaufhörlich streitig machen- ist nirgendwo schöner als in der Bretagne. Es bietet ein prächtiges Schauspiel rings um die Brehat-Insel, die Molene-Insel, die Jungferninsel. Und wenn zwischen Quiberon und Carnae die Ebbe den Rand des Meeresbodens freigibt, strömen zahllose Mensehen an den Strand, um nach Muscheln zu suchen.An dieser Küste i'st die Helioanemo-thalassotherapie entstanden, die See-Kur, bei der Licht. Luft und Meerwasser im Verein der Gesundung des Menschen dienen. Die Zahl der Wassersportzentren wächst von Jahr zu Jahr. Dennoch hat die Bretagne bei allen Wandlungen der Neuzeit nie vergessen, daß sie zwar dem Meer eng verbunden, aber im festen Land verwurzelt ist. Die zauberhafte Atmosphäre des Hinterlandes, einst Argoat - Land der Wälder -, heute meist innere Bretagne" genannt, lockt mehr und mehr Besucher an. Es ist ein sprichwörtliches Land der Burgen, der forellenreichen Bäche, der gezähmten Flüsse, in dem die Zeit stillzustehen .scheint, ein Land der farbenfrohen Panoramen mit sanft geschwungenen Bergrücken, mit den Kämmen der menez und der roi'h. Zwar sind ausgedehnte Waldgebiete heule selten, aber immer noch ist die formenreiche Landschaft von üppigem Grün bedeckt. In den Wäldern von Huelgoat. Le Cranou und vor allem von Paimpont-Broceliandekann man noch von den Zeilen träumen, die in den Ritterromanen und der Gralssage verewigt sind.Die crepes aus Buchweizen, die in Quimper. Pontivy. Le Croisic unseren Gaumen erfreuen, sind wahrscheinlich keine bretonisehe Erfindung. Und wenn der Markt zu Ende ist. kann man sehen, wie die hübsehe Spitzenverkäuferin aus dem Land der Bigoudens" ihre Kostbarkeiten in einem Lieferwagen und ihre Spitzenhaube in einer Hut.schachtel verstaut Lächeln Sie ruhig darüber. Aber die wundersam geformten Wolken, die am Himmel ziehen, die Schreie der Seevögel, der Pfirsichduft des Stechginsters, der mächtig aufragende Menhir, das Lachen der sich am Strand tummelnden Kinder - all das ist kein Touristen-sehwindel. Das ist auch der Sonnenstrahl nicht, der auf den moosbewachsenen Granit einer alten Pieta fällt. Und auch nicht der Geruch der Meerestiefe, der von dem von der Flut auf dem Strand zurückgelassenen Tang aufsteigt. Mein Kind, meine Schwester, denk daran, wie süß es ist. hinabzusteigen und dort unten gemeinsam zu leben Ob Sie nun zu einem Besuch in die Bretagne eingeladen werden oder ob Sie sieh selbst einladen - ich würde mich freuen, wenn Sie dieser Einladung Folge leisten würden.HENRI QUEFFELEC