Bővebb ismertető
Die Goldene Pforte am Freiberger Dom übt heute nicht mehr ihre ursprüngliche Funktion als festlicher Haupteingang der Kirche aus. Man tritt, vom Inneren kommend, durch sie hindurch und steht dann in einem Schutzbau, der aus Gründen der Erhaltung des kostbaren Werkes notwendig war, der aber in künstlerischer Hinsicht die Situation der Pforte ganz und gar verändert hat. Erhielt sie ursprünglich ihren Maßstab vom ganzen Bau der alten romanischen Kirche, die um 1500 einem viel größeren spätgotischen Neubau weichen mußte, so erscheint sie heute, in einen Innenraum gestellt, der kaum das notwendige Zurücktreten ermöghcht, gewaltig, überwältigend in ihrer Größe und in der gedrängten Fülle ihres Schmuckwerkes. Aber gerade diese Veränderung, so wenig sie dem ursprünglichen Zustand und der Absicht der Künstler entspricht, gerade sie macht die Bedeutung des Werkes besonders sinnfällig: indem es nun infolge des engen umgebenden Raumes übergroß erscheint, drängt sich auch dem von geschichtlichem Wissen Unbelasteten eine Ahnung auf von der zusammengeballten Kraft dieser Schöp-ftmg und ihrer doch so klaren Gliederung. Um wieviel eindrucksvoller aber erscheint die hier vollbrachte Leistung, wenn man versucht, sie vor dem Hintergrund ihrer Entstehungszeit zu sehen. Ein Kunstwerk wie die Goldene Pforte wächst nicht als isolierte Schöpfung eines Künstlers im luftleeren Raum. Es bedarf vieler Kräfte, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und geistiger Kräfte, die seine Entstehung ermöglichen müssen, es bedarf auch einer langen künstlerischen Überlieferung, um die Voraussetzungen für ein inhaltlich und formal so kompliziertes Gebilde zu schaffen. Man denke etwa an die spätromanischen Dome und Münster, die zu gleicher Zeit im