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Vorbemerkung
Zu Anfang unseres Jahrhunderts gelangten in das damals neuerrichtete Städtische Museum für Kunst und Kunstgewerbe in Halle, die heutige Staatliche Galerie Moritzburg, zwei hochrangige Werke der mittelalterlichen Metallkunst: der romanische Türzieher in Gestalt eines Löwenkopfes und die Ottoschale, eine Bronzeschüssel mit graviertem und gestanztem Dekor. Beide Werke wurden schon mehrfach, auch in der überregionalen kunstwissenschaftlichen Literatur, behandelt. Ihre hervorragende stadtgeschichtliche Bedeutung liegt in dem Umstand, daß beide aus Halle stammen, daß sie in Gebäuden genutzt worden sind, die zur hochmittelalterlichen Stadt gehörten und von denen nach der Umgestaltung der Stadt im 16. Jahrhundert nur wenige Reste erhalten geblieben sind.
1985 wurde unsere Kenntnis romanischer Kleinkunst in Halle unerwartet durch den Fund der Laurentiustafel bereichert, die ursprünglich die Breitseite eines Kastenreliquiars oder Tragaltars zierte. Durch Erwähnungen in Urkunden und Inventarverzeichnissen und durch Abbildungen in den Heiltumsbüchern des frühen 16. Jahrhunderts wissen wir, daß die halleschen Klöster und Kirchen reich an Schatzkunst waren. Erstmals jedoch ist mit der Halleschen Laurentiustafel ein materielles Zeugnis hiervon aus der romanischen Stilperiode aufgetaucht, also aus der Blütezeit der mittelalterlichen Goldschmiedekunst, als die Werke des Kunsthandwerks denen der Architektur, der monumentalen Plastik und Malerei durchaus gleichwertig gegenübergestellt wurden.
Halle ist um ein erlesenes Kunstwerk aus seiner frühstädtischen Zeit reicher geworden. Der Verfasser dieser kleinen Schrift, der sich seit 1985 um die Erforschung und Veröffentlichung der Platte bemüht, möchte an dieser Stelle den Kollegen im Landesmuseum für Vorgeschichte (Halle/Saale) und in der Staatlichen Galerie Moritzburg Halle für Unterstützung bei der wissenschaftlichen Bearbeitung und für die Ausstellung der Tafel danken. Daß den Kunst- und Geschichtsinteres-sierten unserer Stadt und unseres Landes der Fund recht schnell in einer Monographie vorgestellt werden kann, verdanken wir der Abteilung Kultur des Rates des Bezirkes Halle, die das zweite Heft der „Beiträge zur Geschichte der Kunst im Bezirk Halle" hierfür zur Verfügung gestellt hat.