Bővebb ismertető
Reise in die InnenstadtWarum Reise und nicht Spaziergang, eventuell Streifzug oder Bűmmel? Da man in ein Reich, denke ich, nicht wirklich spazieren, bummeln, sondern nur reisen kann, aufmerksam, bereit für neue Erlebnisse und neue Eindrücke. Denn die Innenstadt ist ein turbulentes Reich. Wir müssen sie auch dann so nennen, wenn wir wissen, daB es sich im Grundé genommen um den kleinsten Bezirk Budapests handelt (ihr Gebiet betrágt nicht einmal drei km2), ihre Ausdehnung ist nám-lich nicht ráumlich, sondern zeitlich sehr groB. Ihre Bedeutung macht nicht die Bevölkerungs-zahl aus (die kaum 70 000 betrágt, doch tagsüber auf mehr als das Fünffache anschwillt), sondern ihr Platz in unserem BewuBtsein, ihre Ausstrah-lung und Popularitát, die immer gröBer und stár-ker wird. Und wenn wir meinen, daB die Innenstadt das Herz Budapests ist, dann klingt das zwar auffallend abgedroschen und verdáchtig ge-fühlsduselig, doch ist dieser Ausdruck gefühls-máBig authentisch und inhaltsmáBig treffend. Dieser kleine, uralte Stadtkern, um den im Laufe der Jahrhunderte die Zwei-Millionen-Hauptstadt entstand, war nie dadurch berühmt, daB hier die reichsten Bürger ihren Wohnsitz hatten, daB hier die meisten Kunstdenkmáler oder die áltesten und schönsten Gebáude zu finden sind, sondern viel eher durch buntes Treiben, Ereignisse und hier getroffene Entscheidungen. Die Innenstadt steht mit allén geschichtlichen Geschehnissen, nun schon seit zweitausend Jahren, in Berüh-rung, so wie das Herz mit dem Leben des Men-schen.Heute, wo es Mode ist, immer ferner und immer schneller zu reisen, sogar auch unter Lebens-gefahr, erscheint unsere Reise durch die Innenstadt, die nicht lánger ist als sieben Haltestellen der StraBenbahn Nr. 2, etwas unzeitgemáB. Sie miBachtet den schnelleren Lebensrhythmus unse-rer Tage, die Eile, das Drángeln und Schubsen,in das wir auch - ob wir wollen oder nicht -hineingerissen werden, sobald wir die Innenstadt betreten. Unsere Vorfahren, so scheint es, waren in dieser Hinsicht weiser als wir, denn früher nahmen sich die Pester noch Zeit, von einem Ort zum anderen zu gelangen, denn sie wuBten gut: Man braucht dazu die entsprechende Zeit, an der nicht gespart werden darf. Und wir dürften das heute, in unserem motorisierten Zeitalter in eige-nem Interesse nicht vergessen, denn der Orga-nismus des Menschen ist so geschaffen", warnt Edward T. Hall, der hervorragende Anthropolo-ge, auf den wir uns auch spáter noch berufen werden, daB er auf keinen Fali mehr als 6 km/h seine Umwelt durchstreift". Denn mit einer Ge-schwindigkeitssteigerung vermindert sich drastig die Intensitát des Gefühlserlebnisses, bis schlieB-lich ein wahrhaftes Gefühlsgeschwinden eintritt". Und daB die Verarbeitung des intensiven Gefühlserlebnisses die Eile nicht vertrágt, das warnt uns Fernand Légér, der französische Maler, zwar we-niger wissenschaftlich, dafür aber umso originel-ler: Heute vergessen wir immer mehr, daB alle wirklichen und dauerhaften Dinge sich mit der Geschwindigkeit einer Kuh bewegen. Denn wahrhaftig entsteht das schöne Bild, das gute Buch, alles was originell und neu ist, mit einer Geschwindigkeit von drei Kilometern per Stun-de. Und diese Geschwindigkeit sollte man nicht um jeden Preis übertreten: das Fleisch bekommt einen schlechten Geschmack, die Milch wird sauer."Die altén historischen Stadtteile aller Stádte habén eines gemeinsam: Von Zeit zu Zeit werden sie auf ihren Ruinen (und im allgemeinen aus ihren Ruinen) neu erbaut. Durch unvermeidbare Katastrophen, Stürme der Geschichte oder eben durch Stadtregulierungen werden charakteristi-sche, wunderschöne und nützliche architektoni-sche Werke vernichtet, ehemals belebte StraBen verschwinden für immer, um ihren Platz dem Neuen, ZeitgemáBen zu überlassen. Meistens em-pfinden die Zeitgenossen diese neue Architektur