Bővebb ismertető
Vorwort des Verfassers Die vorliegende Schrift verdankt ihr Erscheinen mehreren Beweggründen Als Festschrift für den 1994 zum dreihundertsten Male sich jáhrenden Geburtstag der Fndenciana, der historischen halleschen Wurzel in der heutigen MartinLuther-Universitát Halle-Wittenberg, beruft sie sich auf einen aktuellen und vordergründigen Anlafi. Mit der Universitát in Halle weifi sich die Leopoldina seit ihrer Niederlassung in dieser Stadt im Jahre 1878 in vielfacher Hinsicht verbunden, gleichwohl mit wechselnder Festigkeit. Fast alle Leopoldina-Prasidenten seit diesem Dátum gehörten als Ordinarien der örtlichen Universitát an; aus ihrem intellektuellen Reservoir ergánzte und erganzt sich das Corpus academicum der 42 Jahre alteren Akademie. Die Beziehungen zwischen diesen beiden Institutionen der halleschen Wissenschaft ausführlich darzustellen, ware daher ein naheliegender und wünschenswerter Anlafi, der hier aus Zeitgründen nicht in beabsichtigter Breite und Tiefe verwirklicht werden konnte Wenn diese Idee aus ihrer Ursprünglichkeit herausgebrochen schliefilich in einer lángeren und dennoch kurzgefafiten wissenschaftsgeschichtlichen Abhandlung über die Leopoldina sich wiederfindet, dann tragt die Schuld wie die freiwillige Last der Autor. Er folgt damit dem guten Beispiel früherer Prásidenten der Leopoldina, die entweder selbst zur Feder griffen, um ihre Gedanken und Reflexionen über diese Akademie mehr oder weniger ausführlich zu Papier zu bringen (Andreas Elias Büchner, VI. Prásident und erster Historiograph der Akademie, ist ein leuchtendes Beispiel)1, oder diesbezüglich historische Abhandlungen als Auftrag in die Hánde von Wissenschaftshistorikern legten (Johann Dániel Ferdinánd Neigebaur, Willi Ule, Rudolph Zaunick, Georg Uschmann)2. Nur einmal folgte ein interessierter Aufíenstehender (Leo Stern) seinen freien oder beauftragten Neigungen als Historiker und verfafite eine Geschichte der Leopoldina für die Leopoldina, just zu deren 300. Jahresfeier (1952) - als Festschrift der Martin-Luther-Universitát Halle-Wittenberg.3 Im Gegensatz zum professionellen, den geschichtlichen Quellen streng verpflichteten Historiker oder Wissenschaftshistoriker hat ein aus freiem Ermessen schreibender Leopoldina-Prásident den Vorteil, im Rahmen der gebotenen historischen Objektivitat einen gröfieren subjektiven Freiraum in der Darstellung für sich in Anspruch nehmen zu dürfen - natürlich ohne vom Quellenstudium entbunden zu sein. Gerade wenn die Behandlung der jüngeren Vergangenheit oder gar der Gegenwart ansteht, hindert nicht nur Rücksichtnahme auf lebende Akteure, sondern besonders in der hinter uns liegenden Epoche die herrschende Staatsráson - für den Historiker in der DDR schier unübersteigbare Hürden - die ganze Wahrheit" zu sagen. So kránkeln die letzten geschlossenen Darstellungen zur Geschichte der Leopoldina - die bereits erwáhnten von Leo Stern (1952) und Georg Uschmann (1977) - an solchen Geburtswehen angeordneter Auslassungen oder vorgegebener Sichtweisen, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Zwánge dieser Art sind nach dem Fali der Mauer und der Wiederherstellung der deutschen Einheit als Voraussetzung von Freiheit und Demokratie nicht mehr existent. Das gilt auch für die Leopoldina, insbesondere bezüglich der vergan-