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VORWORTiiin kleines Land im Herzen Europas, Mittelpunkt der großen europäischen Drehscheibe, ruhender Pol in der ewigen Unruhe unseres Erdteils - das ist die Schweiz, die ihren Namen auf den Kanton Schwyz, einen der drei Urkantone am Vierwaldstätter See, zurückführt. Sie hat mit vier großen Ländern Grenzberührung und ist darum schon immer Durchgangsland, Verkehrsschleuse, Handelsmittler gewesen. Diese Lage zwischen vier Ländern hat auch jene merkwürdige Viersprachigkeit zur Folge, die eine Besonderheit der Schweiz darstellt. Wahrscheinlich ist diese scheinbare Aufspaltung in höchst unterschiedliche Kulturgemeinschaften einer der Gründe dafür, daß sich die Bevölkerung nicht zu einem Einheitsstaat der sonst üblichen Prägung, sondern zu einem Bund zusammengefunden hat, wie er in dieser reinen föderativen Form in Europa einmalig ist. In der zur Verteidigung der Heimat und der Freiheit schon vor sieben Jahrhunderten begründeten Eidgenossenschaft darf das übrige Europa gewissermaßen die Urform der Demokratie sehen, und daß sie wahrscheinlich der Idealform der demokratischen Selbstverwaltung entspricht, darf daraus geschlossen werden, daß sich der Grundgedanke der schweizerischen Verfassung durch die Jahrhunderte trotz allerdynamischen und gewaltsamen Wandlungen ringsum im wesentlichen unverändert erhalten hat.*Das Herz Europas ist äußerst sinnfällig schon dadurch gekennzeichnet, daß hier die höchsten Berge des Kontinents emporragen, von ewigem Firn und Eis bedeckt. Lebensraum findet der Mensch inmitten dieser übermächtigen Natur nur in den Tälern, die oft so abseits liegen und so wenig zugänglich sind, daß es schon von da her gesehen schwer war, in den kleinen und kleinsten Lebensgemeinschaften, die sich in den Talungen bildeten, ein Nationalitätsbewußtsein zu entwickeln. Der Schweizer selbst bezeichnet die stark ausgeprägte Regionaleinstellung seiner Landsleute mit gutmütigem Spott als Kantönligeist", der aber der allmählichen Bildung eines einheitlichen Staatswesens nicht hinderlich gewesen ist.Die Bergwelt hat den Schweizern ihren größten Reichtum beschert. Das ist einmal der Fremdenverkehr, der dem Land so sehr den Stempel aufgedrückt und eine derartige wirtschaftliche Bedeutung erlangt hat, daß man gelegentlich die Schweizer als das Volk der Hoteliers und Gastronomen bezeichnet. Das kostbarste Geschenk der Natur indessen ist das Wasser, das in unerschöpflicher Fülle aus Quellen rieselt und aus Gletschertoren strömt. Dieser Reichtum kommt insofern dem ganzen Kontinent zugute, als viele Ströme und Flüsse dem Herzen Europas entspringen oder doch wenigstens die Alpen zu einem ihrer wichtigsten Einzugsgebiete rechnen dürfen. Dabei entspricht es der Struktur der Schweizer Alpen, daß fast alle Flüsse ihren Ausgangspunkt im Gotthardmassiv haben: der Rhein, der vom Badus und aus der Adulagruppe kommt, die Rhone, deren Wiege ein mächtiger Gletscher an der Westflanke des Gotthard ist, der Po, der alle aus den Schweizer Alpen nach Süden entströmenden Flüsse sammelt, der Inn, einer der wasserreichsten Zuflüsse der Donau, und alle die anderen großen und kleineren Gewässer, die nach Norden dem Rhein zufließen. Der Mensch hat es erst in unserem technischen Zeitalter gelernt, diesen Wasserreichtum zu nutzen. Die vielen Stauseen und Elektrizitätswerke, die allenthalben entstanden und entstehen, haben die Schweiz zu einem Hauptlieferanten Europas für elektrische Energie werden lassen.Die Geschichte des Landes reicht ins Dunkel der Frühzeit zurück. Siedlungen mögen in den Alpentälern schon bald nach dem Ende der Eiszeit entstanden sein, als die Gletscher schmolzen und die Grenze des ewigen Eises in größere Höhen zurückwich. Die ersten Spuren einer Besiedlung gehen bis auf die Höhlenbewohner der Altsteinzeit und bis auf die Pfahlbauer der Jungsteinzeit und der Bronzezeit zurück. Illyrer aus dem Osten waren es vermutlich, die dem Lande die Fortschritte der Eisenzeit brachten. Seit etwa 400 v. Chr. kamen dann keltische Stämme ins Land, denen die Kulturblüte der La-Tene-Zeit zuzuschreiben ist. Die keltischen Helvetier, nach denen die Schweiz sich noch heute nennt, wanderten erst um 100 v.Chr. aus Südwestdeutschland zwischen Jura und Alpen ein, wo sie sich im Mittelland, dem nach ihnen benannten Helvetia, festsetzten. Von hier aus versuchten sie, ihren Siedlungsbereich nach Gallien vorzu-