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Die Sixtinische Kapelle Die Sixtinische Kapelle, die ihren Namen nach ihrem Erbauer Papst Sixtus IV. della Rovere (1471-1484) trágt, hatte ursprünglich eine doppelte Funktion: die einer Palastkapelle sowie die eines festungsartigen Vorbaues jenes quadratischen Baukomplexes, der den Papageienhof umschlieBt und den áltesten Baukern des Papstpalastes darstellt. Im Laufe der Zeit, als die verschiedenen Höfe (Belvedere-, Borgia-, Schildwachen- und Damasus- Hof) entstanden, die dem Pápstlichen Palast den Charakter renaissancehafter Regelmáflgkeit verliehen, verlor die Kapelle ihre Verteidigungsfunktion; von ihr zeugen aber noch der strenge Charakter des massiven AuBenbaues mit seinem Zinnenkranz. Der heutige Bau erhebt sich an der Stelle einer cappella magna, die die Palastkapelle des unter Nikolaus III. (1277-1280) erbauten Palastes war und bis 1477 in Funktion blieb. In jenem Jahr wurde diese Kapelle entweder abgerissen, oder, was wahrscheinlicher ist, umgebaut, wobei Teile des ursprünglichen Baukörpers erhalten blieben. Das heutige Gebáude besteht aus einem UntergeschoB, einem Mezzanin und der eigentlichen Kapelle, über der sich noch ein geráumiger Dachboden befindet. Unter- und ZwischengeschoB sind in neun Ráume unterteilt, in denen die Büros der Zeremonienmeister untergebracht waren. Die glatten AuBenwánde zeigen das unverputzte Ziegelmauerwerk und werden nur geringfügig durch die Fensteröffnungen und die kaum vorspringenden Gesimse unterbrochen. Die Bekrönung bestand aus Guelfischen Zinnen, die durch Konsolen unterstützt wurden. Die Anlage der Kapelle ist ganz schlicht: Sie besteht aus einem rechteckigen, apsislosen Saal, dessen MaBe von 40,93 m Lángé und 13,41 m Breite denen des Tempels Salomons entsprechen und wird von einer groBen Tonne mit seitlichen Stichkappen gebildet, die mit den einzelnen bogenförmigen Fenstern korrespondieren. Die Innenwánde sind, wie auch die AuBenwánde, völlig glatt und nur durch drei Gesimse unterteilt, von denen das mittlere das breiteste ist und in Form einer kleinen Galerie in Fensterhöhe rundherum führt. An drei Seiten der Kapelle befindet sich, ausgenommen vom Bereich des Papstthrones und des Altares, eine niedrige Marmorbank. Der vielfarbige MarmorfuBboden, ein Zeuge des Weiterlebens der Tradition der römischen Marmorintarsien bis ins spáte Quattrocento, kennzeichnet schon in seiner verschiedenartigen geometrischen Musterung die Unterteilung des Raumes: einerseits der Bereich des Presbyteriums, der dem die Messe zelebrierenden Klérus vorbehalten ist, andererseits der Bereich für die Gláubigen. Betont wird diese Trennung zusátzlich durch den Niveauunterschied und die Chorschranke, die den Raum teilt. Die Marmorschranke mit den Eisengittern - eine freie Variation der byzantinischen Ikonostas - wurde unter Papst Gregor XIII. zurückversetzt. um das Presbyterium zu vegröBern; ursprünglich stand sie mit der Sángertribüne in Verbindung, die, nach florentinischem Brauch, die Schola cantorum ersetzt hatte. Beide Teile sind mit feinsten Reliefs Minős da Fiesole, vielleicht unter Mithilfe von Andrea Bregno und Giovanni Dalmatas, geschmückt. Als Baumeister der neuen Kapelle wurde, Vasari zufolge, Baccio Pontelli berufen, ein florentinischer Architekt, den der Papst wahrscheinlich mit der Errichtung des Palastes der Della Rovere im Borgo Vecchio beauftragt hatte; jedoch ist ein Aufenthalt Pontellis im Jahre 1477 in Rom auszuschlieBen und die Dokumente erwáhnen auch nur Giovannino de' Dolci, der dort als superstans sive commissarius fabrice palacii apostolici bezeichnet wird. 1480 muB der Bau fertiggestellt gewesen sein. denn 1481, als Perugino, Botticelli, Ghirlandaio und Cosimo Rosselli einen Vertrag unterschrieben, in dem sie die Ausführung von zehn storie (Geschichten) in der Sixtina übernehnien, ist ausdrücklich bereits von ausgeführten Fresken die Rede.