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ERNST-HEINZ LEMPER / HEINRICH MACIR/US / W INI RIED SCHRAMMEK
DIE THOMASKIRCHE ZU LEIPZIG
Das mächtige steile Giebeldach, das am Westrand der Altstadt von Leipzig das Langhaus der berühmten Pfarrkirche St. Thomas überragt, kennzeichnet den diaraktervollen Hallenbau einer spätgotischen Bürgerkirdie. Diesem Typus will aber der fast nur die halbe Höhe der östlichen Giebelwand erreichende langgestreckte Chorbau widersprechen, der daran erinnert, daß St. Thomas ursprünglich Stiftskirche der Augustiner-Chorherren war. Die ihm bis zum fünfseitigen Chorhaupt parallellaufenden neugotischen Sakristeianbauten, der an der Nahtstelle zwisdren Langhaus und Chor auf der Südseite in fünf Absätzen sich leicht verjüngend ansteigende Turm mit seiner Renaissancekuppel und die neugotische Westfassade lassen auf eine bewegte Baugeschidite schließen.
Die Thomaskirche zu Leipzig ist die Kirche des weltberühmten Thomanerdiores, die Kirche Johann Sebastian Bachs. Die Gebeine des großen Musikers wurden 1950 aus der kriegszerstörten Johan-niskirdie nach St. Thomas umgebettet, wo sie im Chor unter einer schlichten Bronzeplatte beigesetzt wurden. Diese trägt in großen lateinischen Lettern die Insdirift: JOHANN SEBASTIAN BACH. Hier, wo jährlich ungezählte Menschen im Gedenken verweilen, haben sich auch die ältesten Bauteile, Zeugnis der_i^r acht-hundertjährigen Geschichte der Thomaskirche, feststellen lassen.
Ernst-Heinz Lemper
I
Die Kirdte des 12. Jahrhunderts
Die Lage einer im Jahre 1017 von König Heinrich IL dem Bistum Merseburg geschenkten Pfarrkirche in Leipzig ist nicht sicher auszumachen. Da die Thomaskirche später mit Besitz dieser Kirche ausgestattet war, hat man vermutet, daß diese aus der „Königskirche" hervorgegangen sein könnte. Ein Königshof soll in der Nähe der Thomaskirdie, südlidi der Burg, gelegen haben. Die Ausgrabungen, die 1963/64 im Chor und 1969 im Langhaus der Thomaskirche vom Institut für Denkmalpflege Dresden in Zusammenarbeit mit der Deutschen Akademie der Wissenschaften, Arbeitsstelle für Kunstgeschidite, vorgenommen worden sind, haben
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