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Die Wartburg, ein Nationaldenkmal des deutschen Volkes^Burgen wie auch ihre Ruinen sind steinerne Zeugen der Vergangen= heit, sie habén den Charakter historischer Urkunden. Sie künden von der Schöpferkraft ihrer Erbauer, des Volkes, von Aufstieg, Blüte und Nieder= gang ihrer einstigen Herren und gewáhren in Verbindung mit Sage und Legende einen Einblick in die Geschichte.Aus dem weiten Kreis deutscher Burgen ragt die Wartburg, die sich auf steilem Fels inmitten der reizvollen Thüringer Landschaft erhebt, gleichsam als krönendes Kleinod hervor. Sie wurde im Verlaufe der Jahr= hunderte durch ihre Verbindung mit den Höhe= und Wendepunkten der deutschen Kultur und Geschichte zur Burg der deutschen Nation.Aber auch unter den architektonischen deutschen Nationaldenkmalen, die das neunzehnte Jahrhundert konzipierte und schuf, nimmt die Wart= burg in ihrer Gestalt und mehr noch in ihrern geistesgeschichtlichen Gehalt eine Sonderstellung ein. Wesentliche Bauwerke der Burg waren aus dem Mittelalter erhalten geblieben, und auch ihre geschichtliche und kulturelle Bedeutsamkeit hatte ihre Wurzel im Mittelalter und im frü= hen sechzehnten Jahrhundert.Die Idee, Denkmale der Architektur als nationale Weihestátten zu errichten, wurde schon im achtzehnten Jahrhundert geboren.1 Sie ent= sprang zu jener Zeit dem sich herausbildenden bürgerlichen National= bewufitsein, das in diesen Denkmalen Bestátigung und auCeren Ausdruck zu finden hoffte.Ihre bizarrsten Formen nahm diese Denkmalsidee wohl in dem Ent= wurf zu einem Nationaldenkmal für König Friedrich II. von Preufien von Baumeister Friedrich Gilly (1772-1800)2 und in der Konzeption eines preufiischen Nationaldomes des Schülers von Gilly, Kari Friedrich Schinkels (1781-1841)3, an. Es sollten Nationalheiligtümer in klassi= zistischer oder auch neogotischer Manier geschaffen werden, als Beför= derungsmittel grofier moralischer und patriotischer Zwecke.4Eine Verwirklichung fanden derartige Pláne in der im Auftrage Lud= wigs I. von Bayern 1830-1842 durch Leo von Klenze5 erbauten Wal= halla bei Regensburg und in der Befreiungshalle bei Kelheim, die 1842 begonnen und 1863 durch den gleichen Baumeister vollendet wurde.