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EINE BURG : dies Wort hebt vor unser Auge die Bilder ferner, dunkler Vergangenheit, umwoben von Sage und Legende; verborgen und versponnen ruht darin ein Kern vergangener Wirklichkeit. Diese Vorstellung weht uns gleichzeitig den der Natur verwandten Geruch alter Gewölbe, Felsen, wuchernden Waldes und Gesträuchs entgegen. Zeuge der Vergangenheit ist eine Burg: halb noch erkennbar die formende Menschenhand, halb aber schon zurückgegeben der Natur, von ihr eingehüllt und ihrem unmeßbar alten und zugleich immer jungen Reich wieder eingeborgen. Ehedem wohl Glanz und Größe, Härte und Herrschaftswille, Leid und Duldung, jetzt aber nur noch ein wenig die schaffende Menschenhand verratend, die das Ziel hat, ihr Werk in die Zukunft hinein zu behaupten. Jetzt mehr noch das Wirken der mächtigen und gütigen Natur offenbarend, die alles, auch menschlichen Machtanspruch, zurückfordert, alle wirkliche und vom Menschen geglaubte Größe ablöst, schließlich auflöst und wesenlos werden läßt in ihrem eigenen, immer Neues und Junges schaffenden Schoß.Der Wille zur Erkenntnis des Vergangenen als Nährboden des Gegenwärtigen dringt aber zum Kern vor, denkt ihn frei und findet, wenn Fleiß und Glück und Geisteskraft ihm alle Mittel gewähren, wie es gewesen ist. Dann sieht der Forschende, daß eine Burg ihm nur im heutigen Zustand romantisch erscheinen kann und daß er diesen Eindruck beglückt auch in sich aufnehmen darf. Er erkennt aber auch, daß sie ehedem zweckvoll gefügt und, die Hilfe der Natur den Felsen in der Höhe, das Wasser im Tale ausnutzend, als Mittel für einen Herrschaftsanspruch, als Angriff oder als Schutz gegen eine Macht entstand. Sie war demnach ein Zweckbau, der die Natur überbot und auf den Felsen mit Menschenhand neue Felsblöcke türmte. Die Burg kann aber auch der Natur ihr Dasein abgezwungen haben, sie kann ihr den Menschenwillen, den Willen zur Selbstbehauptung oder zur Macht auferlegt haben, und dann lagert sie herrisch und breit auf ihr und formt gegensätzlich zu ihrem Willen eine eigene Gestalt.In jedem der beiden Fälle ist die Burg zunächst nur eine Urkunde, das heißt eine Aussage über vergangene Verhältnisse. Sie ist dann nur insofern ein dem Kunstwerk verwandtes Gebilde, als sie Menschenwerk ist, welches sich mit den Gegebenheiten der Natur formend auseinandersetzte. Sie kann aber auch zum