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DIE WARTBURG
IN DER DEUTSCHEN GESCHICHTE
Öie Befestigung des Wartberges bei Eisenach durch Ludwig, Sohn des auf der Schauenburg bei Friedrichroda im Thüringer Wald ansässigen Grafen Ludwig mit dem Barte, stand in unmittelbarem Zusammenhang mit der sich seit dem ii. Jahrhundert auch in Thüringen entwickelnden und festigenden Territorialherrschaft. Der Wartberg war bis dahin (1067) im Besitz des königstreuen Klosters Hersfeld gewesen. Von seiner Höhe aus ließen sich mehrere wichtige Verbindungswege, vor allem die wirtschaftlich und militärisch bedeutsame Via regia, die als West-Ost-Handelsstraße zwischen Frankfurt am Main und Breslau am Fuße des Berges vorbeiführte, kontrollieren. Seit der Inbesitznahme durch Ludwig war die Wartburg gleichsam ein Stachel im Hersfelder und damit königlichen Interessengebiet. Von hier aus konnte er nach Bedarf die Handelsadern abschnüren oder die Burg als Zufluchts- und Verteidigungspunkt nutzen. Diese Politik entsprach der vieler deutscher Feudalherren, gegen deren Bestrebungen König Heinrich IV. (1056-1 to6) einen wechselvollen Kampf um die Herrschaft der Zentralgewalt führte. Sein Bemühen, ein königliches Kernland vom Thüringer Wald bis nordöstlich des Harzes zu schaffen, zog die Bewehrung dieses Gebietes mit starken Stützpunkten nach sich. Neben dem Ausbau vorhandener fester Plätze im Harzvorland ließ er u. a. die Harzburg, die Lauenburg und die Burg KyfT-hausen, letztere als mächtige Anlage, errichten. Eine Folge der von den Burgen ausgehenden Unterdrückung der Bauern wie des sächsisch-thüringischen Adels durch die königlichen Ministerialen war der Sachsenaufstand von 1073 bis 107;. Die Burgen der zugewanderten Ministerialen wie des alteingesessenen Adels erwiesen sich in den harten, für das einfache Volk opferreichen Kämpfen als wirksame Mittel feudaler Strategie und Taktik.
Auch die Gründung der Wartburg erklärt sich aus den Kämpfen, die die Feudalen untereinander führten. Anlagen wie diese waren Machtinstrumente der sich konsolidierenden Territorialherrschaft. Schon der Anlaß für die früheste urkundliche Erwähnung der Wartburg bestätigt das: Im Jahre 1080 ist von ihr aus ein erfolgreicher Ausfall auf das von Flarchheim bei Mühlhausen in die Nähe der Burg gezogene Heer Heinrichs IV., der von dem Merseburger Kleriker Bruno in dessen Buch vom Sachsenkrieg geschildert wird, unternommen worden. Ludwig der Springer legte mittels umfangreicher Rodungen in den ausgedehnten Räumen des Thüringer Waldes, durch das Knüpfen familiärer Verbindungen zu einflußreichen Geschlechtern, den Bau von Burgen und durch Gründungen von Klöstern den Grund für die Landesherrschaft der späteren ludowingischen Landgrafen und deren reichsfürstliche Stellung. Die Gründung des Klosters Reinhardsbrunn geht als Sühnehandlung auf den Mord an Pfalzgraf Friedrich III. zurück. Ludwig, der Anstifter des Mordes, soll aus der dieser Tat folgenden Haft auf Burg Giebichenstein durch einen Sprung in die Saale entkommen sein. So erklärt der Chronist die Entstehung des Beinamens «der Springer». Seine Ehe mit der Witwe des Pfalzgrafen, Adelheid von Goseck, öffnete ihm den Weg in die Kreise des hohen Adels. Die Stiftung des Klosters Reinhardsbrunn im Jahre 1085 muß unter dem Aspekt des zielstrebig betriebenen Landesausbaus gesehen werden. Seine Besetzung mit Hirsauer Mönchen der Benedikrinerkongregation, eines Reformordens, ist typisch für Ludwigs Absichten, die stets auf die Ausdehnung und Festigung der eigenen Hausmacht gerichtet waren und damit im Widerspruch zu den Reichsinteressen standen. Die Reformorden waren starke Stützen der römischen Kurie im Investiturstreit, jenes im elften und zwölften Jahrhundert zwischen Papst- und Kaisertum entbrannten Machtkampfes, der König Heinrich IV. zum Bußgang nach Canossa zwang, damit ihn sein päpstUcher Widersacher, Gregor VII., vom Bann löse und sein Königtum erhalten bliebe. Nach Ludwig des Springers Tode (1123) umfaßte der ludowingische Besitz Gebiete, die von der Unstrut bis nach Hessen reichten.