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Hans Wißkirchen Zu diesem Buch
Im Sommer 1900 sitzt ein junger Autor in seinem Arbeitszimmer und gibt sich alle Mühe, ein ganz besonderes Paket zu versenden. An einen Freund schreibt er tags darauf:
»Eben habe ich mich, beim Versiegeln meines Romans, gräßlich mit Lack verbrannt. Schreiben kann ich solch Buch wohl; aber es nach Berlin zu schicken, ist eine Kunst für sich.«
Dennoch gelangt das Buch unversehrt an seinen Bestimmungsort. Der Verleger liest es und lehnt eine Veröffentlichung erst einmal ab. Er will freilich nicht zu hart mit dem Novizen aus dem Norden umgehen und schlägt eine Kürzung vor. Der junge Autor weist das selbstbewusst zurück und erreicht schließlich den zweibändigen Druck seines Erstlings.
Die Zusage des Verlegers, der ein Großer seiner Zunft war, setzt den künstlerischen Blick über die wirtschaftlichen Bedenken, ohne Letztere aus dem Blick zu verlieren. Im entscheidenden Brief aus Berlin heißt es:
»Sobald das Werk gedruckt ist, werde ich es nochmals lesen und mir alles was in dieser reichen Arbeit steckt herausholen. Ich weiß auch jetzt, dass sich der Umfang Ihres Werkes aus der ganzen Constitution der Arbeit und der Besonderheit Ihres Talents nothwendigerweise ergeben hat, wenn ich auch als Verleger von diesem ungewöhnlichen Umfang nicht gerade sehr entzückt bin. Wieviele Menschen haben in der Zeit unseres In-dustrialismus Zeit und Sammlung ein Werk von 70-80 Bogen [ca. 1000 Seiten] in sich aufzunehmen? [ ] Nun, Sie werden ja nicht immer vierbändige Romane schreiben und so kann es wohl auch ein Verleger, der sich das Ding auch immer ein wenig geschäftlich ansehen muß, mit Ihnen schon wagen. Vielleicht beschämt mich das deutsche Volk und kauft Ihr Buch in solchen Massen, wie Ihr Werk es verdient.«
Der Verleger aus Berlin, der damals den Mut für den unbekannten Autor aufbrachte, hieß Samuel Fischer. Der Autor, an den er schrieb, war Thomas Mann. Das Buch, das er verlegte, waren Buddenbrooks.