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Johann Wolfgang von GoetheDornburg, September 1828Früh, wenn Tal, Gebirg und GartenNebelschleiern sich enthüllen,Und dem sehnlichsten ErwartenBlumenkelche bunt sich füllen,Wenn der Äther, Wolken tragend,Mit dem klaren Tage streitet,Und ein Ostwind, sie verjagend,Blaue Sonnenbahn bereitet,Dankst du dann, am Blick dich weidend,Reiner Brust der Großen, Holden,Wird die Sonne, rötlich scheidend,Rings den Horizont vergolden.DORNBURG LÄT AN ENNER DUMMEN ECKE sagteCarl August Christian Sckell, zur Goethezeit Schloßvogtund Gartenkondukteur in Dornburg. Und wirklich liegt dieOrtschaft an einer dummen Ecke: Man kann sie vom Tal ausnicht sehen. Dornburg verbirgt sich hinter dem 90 Meter ho-hen, schroff abfallenden Muschelkalkfelsen, der sich zwi-schen Jena und Naumburg erhebt, kurz bevor die nach Nor-den führende Fernverkehrsstraße 88 die Saale nach Ostenüberquert. Von weitem sieht man indes die drei DornburgerSchlösser, die, ganz im Einklang mit der sich sanft ausbrei-tenden Landschaft, auf dem Felsen zu schweben scheinen.Und wer Dornburg sagt, meint in aller Regel nicht das heuteetwa 1300 Einwohner zählende Städtchen (und tut ihm un-recht damit), er meint die Schlösser und Anlagen, meintGoethe, meint den weiten, wohltuenden Blick auf die Saale,die sich zwischen Jena und Dornburg so oft windet, daß sichihre saftigen Auen bis zu 1400 Meter Breite weiten, meint dashelle Kalksteinkolorit der Berge, meint auch den Blick hinüberauf den sich ehrwürdig ausbreitenden Tautenburger Forst,auf den Gleisberg mit der Ruine Gleißberg - im VolksmundKunitzburg genannt-zu den ersten, mehr geahnten Dä-chern von Jena.