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Jürgen PaulGlanz, Zerstörung und WiederaufbauDie Entwicklung Dresdens im Spiegel seiner ArchitekturVor seiner Zerstörung in der Naclit vom 13. zum 14. Februar 1945 wurde Dresden gerühmt, die schönste Großstadt Deutschlands, ja, eine der schönsten Städte Europas zu sein. In der Tat, Dresden war etwas Besonderes. Die Hauptstadt des ehemaligen Königreichs, nach 1918 des Freistaates Sachsen, war nicht nur mit ihren unvergleichlichen Kunstsammlungen und ihrem anspruchsvollen liünstlerischen, musikalischen und literarischen Leben neben Wien, Berlin und München eines der führenden kulturellen Zentren im deutschsprachigen Raum, sie besaß auch städtebaulich eine Großzügigkeit, die ihr eine besondere Ästhetik kultivierter Noblesse verlieh.Dieses Bild Dresdens ersteht in unzähligen Fotografien wieder: die Silhouette der Türme und der Kuppel der Frauenkirche vom Opernhaus über Schloß und Landtagsgebäude hinweg bis zur Kunstakademie an der Brühischen Terrasse. In zweihundert Jahren war hier ein einzigartiges städtebauliches Gesamtkunstwerk entstanden, in dem die Lage am Fluss als Bühne und der Fluss mit seinen Ufern als Panoramaraum bewußt in die Gestaltung einbezogen wurden. Die Dresdner Elbfront hat die Zerstörungen des Krieges und der Nachkriegszeit in ihren wichtigsten Teilen überlebt, und so kann man noch heute, wenn man am gegenüberliegenden Elbufer steht oder die Augustusbrücke überquert, das majestätische architektonische Panorama als eindrucksvolle ästhetische Erfahrung erleben. Mit der wiederaufgebauten Frauenkirche ist sie nun wieder vollständig.Aber die städtebauliche Schönheit Dresdens bestand nicht nur in seinem Elbpanorama, sie beruhte vor allem auch heute noch auf einer einzigartigen Symbiose von Stadt und Landschaft. Schon die Romantiker priesen die Lage Dresdens in dem weiten, von sanften Hügelzügen umgebenen Kessel, den die Elbe in einem langgezogenen Bogen durchfließt.Hier hatte sich im 19. Jahrhundert auf beiden Ufern des Flusses und die Talränder hinauf die Großstadt ausgebreitet, deren charakteristische städtebauliche Struktur vor allem die Offenheit ist. Dresden war und ist eine grüne Stadt. Schon im frühen 19. Jahrhundert hatte die Bauverwaltung dafür gesorgt, daß die wachsende Stadt ihren ländlichen Charakter behielt. Dresden bestand weitgehend aus freistehenden Häusern in oft parkartigen Gärten an breiten Baumalleen. Obwohl das Prinzip der offenen Bauweise im späten 19. Jahrhundert nicht mehr überall beachtet wurde, gab es in Dresden kaum eine verdichtete Bebauung mit engen Hinterhöfen. Nur das relativ kleine Geschäftszentrum in und um die historische Altstadt war dicht bebaut.Obwohl weite Bereiche der Stadt 1945 ausgelöscht wurden und an die Stelle der alten Villen nichtssagende Neubauten getreten sind, blieb die städtebauliche Offenheit grundsätzlich erhalten. Auch heute noch hat man fast von überall einen freien Blick auf die bäum- oder rebenbestandenen und mit Villen durchsetzten Hügelränder; man erlebt die weiten Perspektiven den Fluß entlang oder von den Hängen hinab auf den Flußbogen und die Türme.Hinsichtlich der kulturellen Bedeutung Dresdens denkt man meist zuerst an die Blütezeit als prunkvolle barocke Residenzstadt. Kunsthistorisch gilt Dresden als Stadt des Barock. Aber seine eigentliche Anziehungskraft und Ausstrahlung begann erst um 1800,12