Bővebb ismertető
Das Gesicht einer Stadt wird in seinen wesentlichen Merkmalenbestimmt von seiner zeitgeschichtlichen Entwicklung, seiner geo-graphischen Lage und den ökonomischen Bedingungen, denenes Entstehung, Wachstum und letztes Gepräge verdankt. Dieses Alltags-gesicht kann nach dem ersten flüchtigen Augenschein schon zu einemPrädikat verleiten. In der Skala dieser Zensuren, die von ,,nüchtern"bis zu den Superlativen ,,wundervoll" und ,,märchenhaft" reicht, hieltDresden immer einen guten Platz. Den Reisenden, die es besuchten oderdie seine einmalige Silhouette auf der Durchreise von Prag nach Berlinoder nach Leipzig von der Marienbrücke aus wahrnahmen, entfuhr fasteinhellig der Ausruf: ,,Ach wie schön!" Und wenn man irgendwo inder Welt von Dresden sprach, vergaß man kaum einmal ,,das schöne"voranzusetzen. Neben diesem in flüchtiger Schau gewonnenen Eindruck,der dem Tagesgesicht der Stadt das Prädikat,,schön" eintrug, offenbartesie in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen noch ein zweites ihrNachtgesicht, und das trug ihr bei oberflächlich-überschwenglichenGemütern den Namen ,,Märchenstadt" ein. Die Häufung und Gedrängt-heit an Kuppeln, Toren, Türmen und Überbauten in der historischen Alt-stadt, vom Flutlicht vielerScheinwerfer umspült und vom Elbestrom wider-gespiegelt und verdoppelt, waren Anlaß zu dieser Wertung.Viele Tausende Watt Licht Übergossen Nacht für Nacht die historischenBauten zwischen Brühlscher Terrasse, Rathaus, Zwinger und Opern-platz. Im Bannkreis dieses Lichterkranzes aber und an seinen Rändern lag noch immer das Dunkel mittelalterlicher Finsternis, lagen Altstadt-gassen mit Hofschächten, in die kaum ein Sonnenstrahl gedrungen war,mit Behausungen, in die man die Möbel durch die Fensterluken ein- undaushieven mußte. Nur an der Elbseite und auf Plätzen, wo der Sonnenichts im Wege stand, machten sich die Palais und behäbige Bürger-häuser breit Zeugen von der Maßlosigkeit fürstlicher Verschwender.Inmitten dieser Gegensätzlichkeiten von Lichtfluten und lichtlosen Hof-schächten begann die Arbeit an diesem Buch. Meine Mansardenkammeram Jüdenhof lag im Kranz dieser Strahlengarben. Viele Jahre hindurchforderten sie mich heraus und spornten mich an zu immer neuen Experi-