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Torsten Casimir - Düsseldorf Bilder [antikvár]

Düsseldorf Bilder [antikvár]

Torsten Casimir

 
Womit anfangen? Die Frage stellt sich nicht in einer Stadt mit »Kö«. Reden wir also von dieser Allee des schönen Scheins. Vom Boulevard der Eitelkeiten, der Luxusstraße, der Champs-Elysées von Klein-Paris, der Meile aller Müßiggänger. Aber da fangen die Schwierigkeiten schon an: Die Kö ist zu kurz ftir eine Meile, weniger als 1000 Meter lang. Und ftir große Revolutionsfeiern gibt der Geist des Ortes auch nichts her. Jedoch reicht er ftir einen Bücherbummel, fürs Kö-Fest und für den jährlichen Langlauf-Wettbewerb. Die...
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Womit anfangen? Die Frage stellt sich nicht in einer Stadt mit »Kö«. Reden wir also von dieser Allee des schönen Scheins. Vom Boulevard der Eitelkeiten, der Luxusstraße, der Champs-Elysées von Klein-Paris, der Meile aller Müßiggänger. Aber da fangen die Schwierigkeiten schon an: Die Kö ist zu kurz ftir eine Meile, weniger als 1000 Meter lang. Und ftir große Revolutionsfeiern gibt der Geist des Ortes auch nichts her. Jedoch reicht er ftir einen Bücherbummel, fürs Kö-Fest und für den jährlichen Langlauf-Wettbewerb. Die Geschichte der Königsallee beginnt bereits mit einer Unzulänglichkeit. 1848 soll dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. bei einer Visite dort aufs Majestätischste der Mantel beschmutzt worden sein - durch einen Pferdeapfel. Düsseldorfs Stadtväter waren dermaßen zerknirscht ob jenes Unglücks, dass sie sich entschlossen, die damals noch Kastanienallee geheißene Straße in Königsallee umzubenennen. Wiedergutmachungsgeste vor dem befleckten König. Alle Pracht, aller Glanz, alle Schönheit, welche sich hernach entwickelt haben, erklären sich aus diesen Geburtsum-ständen der Straße: Die Kö ist ein historisches Kompensationsprojekt. Bis heute. Irgendwie gilt diese Anekdote für die gesamte Stadt. So geht das ja oft: Wer aus schwierigen Verhältnissen stammt, möchte gern Primus werden, möchte die Vergangenheit abschütteln, möchte reich sein und schön und gehebt werden. Möchte einmal behaupten können: »Ich habs geschafft«. Düsseldorf könnte das längst sehr selbstbewusst sagen, sagt es aber nach wie vor ein wenig zu nervös, zu streberhaft, zu überspannt. Dabei fäUt die Bilanz 155 Jahre nach dem anrüchigen Missgeschick mit dem Preußen ganz ordenthch aus. Die Landeshauptstadt ist tatsächlich Primus in vielen Disziplinen geworden. Zum Beispiel in der Wirtschaft. Keine Stadt in Deutschland wächst so schnell wie das Dorf an der Düssel. Rund ums Geld ist hier alles im Lack. Exzellenter Stadthaushalt, mehr betuchte Privatbankkunden als anderswo in Deutschland, ebenfalls Höchstwerte bei der Zulassung von Ferraris. Und die teuerste Eigentumswohnung der Republik steht, wo sie hingehört: im linksrheinischen Edel-Stadtteil Oberkassel. Dessen Panorama, seine zum Teil denkmalgeschützte Rheinfront mit den herrschafthchen Jugendstil-Villen und nicht weniger herrschafdichen Mieten, verströmt eine Aura von Exklusivität. Besonders an Sonnenscheintagen bietet sich aber auch das Bild einer pittoresken RheinidyUe, Die Idylle trügt allerdings. Denn in Oberkassel lebt vorwiegend jene Sorte Kreativer, denen die Stadt das Etikett »Werbemetropole« verdankt. Die ganz Großen der Branche sitzen in Düsseldorf- BBDO Germany, Grey und die PubHcis Gruppe.Viele Ideen, die mit der Zeit in die kollektive Erinnerung abgesickert sind, starteten von hier aus in die Welt - »Warum denn gleich in die Luft gehen?!« ist so ein Fall. Weniger bekannt, aber dafür genial: Michael Schirners Kürzestwerbung »schrelBMaschine« Ende der siebziger Jahre. Man verführt gern (zum Einkauf) in dieser Stadt. Man schläft auch gern in ihr. Eine Frankfurter Unternehmensberatung stellte unlängst fest, dass Düsseldorf Deutschlands zukunftsreichsten »Beherbergungsmarkt« hat. Die Untersucher dieses Phänomens, das viel mit der Messe, aber auch mit den attraktiven Einkaufsmöglichkeiten und dem Kulturangebot zu tun hat, waren so begeistert, dass sie gar von einem »Traummarkt« sprachen. Aber tatsächlich: Man träumt gern zwischen Schlossturm und Lambertes. Man träumt zum Beispiel seit langer Zeit hartnäckig von der Ersten Fußball-Liga. Und man träumt das erst so richtig intensiv, seit Düsseldorfs Fortuna in der vierten Spielklasse kickt. Man erfindet auch gern Zukunft in Düsseldorf Das zeigt sich, im Ernst jetzt, an der nationalen Spitzenstellung der Rheinmetropole auf dem Gebiet der Patentanmeldungen. Nur Stuttgarter und Münchener sind noch innovativer als die Düsseldorfer. Die meisten Innovationen kommen aus der Wirtschaft; einen eher schwachen Anteil steuert die Wissenschaft bei.

Termékadatok

Cím: Düsseldorf Bilder [antikvár]
Szerző: Torsten Casimir
Kiadó: Greven Verlag
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 3774303517
Méret: 200 mm x 280 mm
Torsten Casimir művei
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