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Man meint nicht nur die Stadt, wenn man von Eisenach spricht, man denkt zugleich an die Burg, die über ihr aufragt, und an die Landschaft, die beides umschließt. Denn das ist das Lockende und Anziehende an diesem Reiseziel jene glückliche Dreiheit, in der eines das andere ergänzt und steigert: die Fülle der landschaftlichen Reize, die intime und die großartige bauliche Atmosphäre. Sicher ist es ein Nachklingen jenes romantischen Empfindens, wenn wir diese Landschaft so emotional erleben, denn die Romantiker sahen und malten die Natur so, wie sie uns hier begegnet, und es will dabei wenig besagen, daß die Eisenacher Landschaft, zumindest in der näheren Umgebung, auch ihrerseits ein wenig das Ergebnis dieses romantischen Fühlens ist, eine Kunstlandschaft, in der die Wälder so aufgeforstet und die Wege so angelegt sind, daß das Ganze mehr Garten ist als freie Natur, mit Wegen, die weniger zum Zweck der Arbeit und der Verbindung der Orte, vielmehr um des Naturgenusses willen sich um die Berge winden, mit Ausblicken, die das ständig sich wandelnde Bild der Wartburg in immer neuer Weise umrahmen und wie eine kunstvolle Fassung den schönen Stein zur Geltung bringen.Und nun darin diese Stadt, ein kultureller Mittelpunkt im westlichen Thüringen, eine Stadt, deren geistiges Leben größer ist, als ihre Ausdehnung vermuten läßt, und vielseitiger als das einer anderen Stadt gleicher Größe, lebendig im Alltag, wie eine mittelgroße moderne Stadt nur sein kann, zugleich aus dem Alltag herausgehoben als Ort der Begegnung und wahrhaft bedeutsam durch seine Geschichte, die auf weite Strecken mit der Geschichte der Wartburg verknüpft ist, in den Blick der Welt gerückt, als die Burg am Beginn des neunzehnten Jahrhunderts ihren Nimbus als Nationalheiligtum erhielt. So wird es zweckdienlich sein bevor von der Stadt zu reden ist , zunächst einen Blick auf die Burg zu werfen, nicht auf ihre heutige Gestalt, auch nicht auf ihre 900jährige Geschichte, sondern auf ihren Aufstieg zum Nationaldenkmal in der Zeit derromantischen Geistesbewegung, der auch die Stadt aus ihrer Unbedeutendheit, aus der Durchschnittlichkeit eines nicht eben wohlhabenden Landstädtchens und über gewisse Zeiträume hinweg auch Residenzstädtchens erweckte und zur Fremden-und Kongreßstadt, zum Bade- und Kurort machte. Die Gegend ist überherrlich, schrieb Goethe am 12. September 1777 aus Eisenach an Charlotte von Stein. Er war nach zweijähriger Amtszeit in Weimar erstmalig nach Eisenach gekommen, um als Mitglied des Geheimen Consiliums den Empfang des Landesadels durch Carl August vorzubereiten. Am nächsten Tag schrieb er von der Wartburg aus, auf der er, fern vom Hoftreiben, im Ritterhaus beim Kastellan für einige Wochen Wohnung genommen hatte: Hieroben! Wenn ich Ihnen nur diesen Blick, der mich nur kostet aufzustehen vom Stuhl, hinübersegnen könnte. In dem grausen, linden Dämmer des Monds die tiefen Gründe, Wiesgens, Büsche, Wälder und Waldblösen, die Felsabhänge davor, und hinten die Wände, und wie der Schatten des Schloßberges und Schlosses unten alles finster hält und drüben an den sachten Wänden sich noch anfaßt, wie die nackten Felsspitzen im Monde röten und die lieblichen Auen und Täler ferner hinunter und das weite Thüringen hinterwärts dem Dämmer mischt. Und schließlich am 15. September: Heute früh war wieder alles neu. Phillipp weckte mich und ließ mich ans Fenster gehen! Es lagen unten alle Täler im gleichen Nebel und es war völlig See, wo die vielen Gebürge als Ufer hervorsahen. Die Natur wurde ihm zum Spiegel seines Gefühls, antwortete ihm in seinen Empfindungen, die von der Liebe zur fern in Weimar weilenden Charlotte beherrscht waren. Er zeichnete die phantastischen Felsen der Umgebung, das halbverfallene Bollwerk und das Neue Haus der Burg und immer wieder ihre damals noch schlichte Silhouette, einmal hoch aufragend, vom Helltal aus, einmal eingebettet in die bewegten Konturen der Hügelkette des Thüringer Waldes. In mir gelebt das ist beinahe alles, was wir erfahren, wenn wir begierig sind zu wissen, wie