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HOCH ÜBER DEM LAND, hoch über der Stadt jubelt, klagt, singt, flüstert eine Stimme: Das ist Deutschland. Warum? MuB es grad hier sein? Weil es die Mitte ist des herrlich gegliederten Landes zwischen Alpen und Meer, Strom und Strom? Was in unseren Breiten möglich ist, besitzt Deutsch* land: das Liebliche und das Heroische, das harte Licht der Gletscher und den tiefen, riesigen Himmel über Heide und See. Aber die Deutschen, die hierher kommen und über die Stadt hinblicken, sagen sich: Das hier ist es. Und die Fremden, die zum erstenmal vielleicht nach Deutschland kommen, aber von ihm viel gehört, manches darüber gelesen habén, und die jetzt oben stehen auf der Burg mit einem inneren Bild, das sich zusammensetzt aus Gehörtem, Gelesenem, Geahntem, glauben zu wissen: Dies muB es sein. Ja, aber warum? Ich weiB es nicht. Ich würde sagen: weil auf diese Landschaft ein Wort anwendbar ist, sich aufdrángt, das es nur im Deutschen gibt und das ich Auslándern so oft schon, und wie oft vergeblich, begreiflich zu machen gesucht habe: das Wort heiBt hold". Diese Landschaft ist hold. Holdes Land liegt vor einem. In ihm ist nichts Berauschendes, HinreiBendes, Extremes. Es liegt einfach da und wartet. Es wartet auf einen. Wenn ich weit weg bin, wartet es auf mich. Dabei stamme ich keineswegs aus der Eisenacher Gegend, sondern bin ein Stück weiter im Osten geboren, in Sachsen. Aber in diesem Land hier ist etwas von den ersten Worten, die man gelernt, ist das Lied, das man als erstesvernommen hat. In ihm ruht das Ur-Gefühl, die originale Vorstellung, die man von seinem eigenen Lande erhált. Die Landschaft ist schlicht, von maBvoller Lieblichkeit. Den Berg und die weiter entlegenen Hügel herauf scháumen Wálder. Die gar nicht so kleine Stadt da untén láBt sich leicht übersehen.