Bővebb ismertető
Unser Buch soll den Alteingesessenen wie den jungen Erlangern eine kritische und liebevolle Auseinandersetzung mit der Stadt, in der sie leben, ermöglichen. Denn erst durch eine historische Betrachtungsweise werden der Gegenwart Stadt und städtische Umwelt in ihren Grundtendenzen von Veränderung und Wachstum begreifbar. Wie und weshalb „Bürgertum" in der Vergangenheit unterschiedlich.verstanden wurde, zeigt die Geschichte unserer Stadt. Was „Bürgertum" heute ist, bestimmt auch unser Leser — seinerseits als Mitbürger der Zukunft verantwortlich — durch sein Handeln für die Stadt als Lebensraum und Lebensform.
Damit steht dieser Band in einem engen inneren Zusammenhang mit Bemühungen von anderen Privatleuten, von Heimatverein und Bund Naturschutz, von Bürgerinitiativen, von Universitäts- und Stadtverwaltung. Ob man alte Häuser attraktiv renoviert und Innenhöfe wieder wohnlich gestaltet, Stadt(teil)führungen organisiert, die „Erlanger Bausteine" herausgibt, um die Erhaltung von Regnitz- und Schwabachtalaue kämpft, ob man gegen die Zerstörung des Zollbahnhofviertels protestiert, Denkmalpflege ernst nimmt und rechtzeitig Erhaltungssatzungen erläßt, eine fußgänger- und radfahrerfreundliche Verkehrs- und Grünplanung betreibt — oder ob man sich forschend mit der neueren Geschichte Erlangens befaßt: Immer geht es darum, die historisch geprägte Qualität des Lebens in Erlangen bewußt zu machen, zu erhalten und zu verbessern.
Während die Beiträge in der seit 1965 erscheinenden Zeitschrift „das neue Erlangen" für die letzten 30 Jahre grundlegende Informationen zur Entwicklung der Stadt liefern können und auch die Geschichte des mittelalterlichen und hugenottischen Erlangen gut erforscht ist, fehlt eine moderne Gesamtdarstellung der Entwicklung vom 18. Jahrhundert bis zur Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch wir konnten diese Lücke nicht schließen, denn dazu sind noch viele Vorarbeiten nötig. Wir wollten jedoch den nicht zuletzt im Geschichtsunterricht der Schulen deutlich spürbaren Mangel dadurch mildem — und kennthch machen —, daß wir einige wesentliche, in der heutigen Geschichtsforschung aktuelle Fragestellungen für den Bereich der Erlanger Stadtgeschichte aufgegriffen haben.
Unter Verzicht auf einen Beitrag zur Geschichte der Universität — er bleibe Aufgabe der Universitätshistoriker — wurden Längs- und Querschnitte so ausgewählt und angeordnet, daß sie die wichtigen Zäsuren der „großen" Geschichte ebenso erfassen wie die für Erlangens Identität spezifischen Besonderheiten der lokalen Entwicklung. Industrialisierung und Urbanisierung zusammen mit der politischen Ausformung einer demokratischen Gesellschaft haben Erlangens Individualität ebenso geprägt wie der langandauernde Niedergang des Gewerbes der als „Strumpfer" verspotteten Strumpfwirker in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, wie die späte expansive Entwicklung von Industrie, Universität und Garnison seit 1870/80, oder wie das Wohn-, Einkaufs- und Freizeitverhalten der „Siemens"-Angestellten nach 1945/50.