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8 VORWORT
„DEN 23. (OKTOBER 1786) FRÜH, UNSERER UHR UM zehne, kamen wir aus den Apenninen hervor und sahen Florenz liegen, in einem weiten Tal, das unglaublich bebaut und ins Unendliche mit Villen und Häusern besät ist. Die Stadt hatte ich eiligst durchlaufen, den Dom, das Baptisterium. Hier tut sich wieder eine ganz neue mir unbekannte Welt auf, an der ich nicht verweilen will.
8 VORWORT
Der Garten Boboli liegt köstlich. Ich eilte so schnell heraus als hinein. Der Stadt sieht man den Volksreichtum an, der sie erbaut hat; man erkennt, daß sie sich einer Folge von glücklichen Regierungen erfreute. Überhaupt fällt es auf, was in Toskana gleich die öffentlichen Werke, Wege, Brücken für ein schönes, grandioses Ansehen haben. Es ist hier alles zugleich tüchtig und reinlich, Gebrauch und Nutzen mit Anmut sind beabsichtigt, überall läßt sich eine belebende Sorgfalt bemerken." Das sind die Eindrücke, die Goethe auf seiner Italienischen Reise von Toskana gewonnen hat, denen er dann noch eine längere Betrachtung über die Landwirtschaft in diesem Gebiet anschließt. Sie sind bezeichnend für die Stellung, die der große Deutsche im achtzehnten Jahrhundert zu Italien einnahm. Ihn zog nur eins mächtig an: Rom, die Stadt der Antike, die Stadt großen weltgeschichtlichen Geschehens. So ist es seit Jahrhunderten gewesen. Immer wieder hat Rom die Blicke der Menschheit auf sich gezogen. Was außerhalb seines Kreises lag, durcheilte man, erfreute sich einen Augenblick an der lachenden Landschaft, bewunderte hier und da ein Werk der Kunst, aber das Herz nahm allein die Ewige Stadt gefangen. Die Ruinen des Altertums ergriffen die Menschheit. Das mittelalterliche Italien ist erst spät entdeckt worden. Der Ostpreuße Ferdinand Gregorovius hat es mit den Augen des Künstlers und des Forschers in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts gesehen und durch seine Schriften das Verständnis dafür geweckt. Seit dem Jahre 1860, da Jacob Burckhardts „Kultur der Renaissance in