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Geschichte einer Landschaft
Das fränkische Stammland war wohl schon in grauer Vorzeit besiedelt. Sammler und Jäger der Altsteinzeit und der Bronzezeit lebten hier. Zwischen 400 vor Christus und der neuen Zeitrechnung siedelten die Kelten in diesem Gebiet. Später drangen von Süden die Römer vor und errichteten den furchterregenden Limes. Bis Miltenberg bildete der Main den „nassen" Limes. Zur gleichen Zeit setzte von Norden her die Völkerwanderung ein. 70 vor Christus zogen die Markomannen und die Sueben aus ihren Stammgebieten an der Unterelbe nach Franken. Bald ballte sich vor dem Limes ein Völkergemisch zusammen, das die Römer und ihren Limes bedrohte. Wahrscheinlich ist, daß zu dieser Zeit der Name Franken oder „Franci" entstand, ein Schimpfwort, mit dem die Römer diese aufmüpfige Völkerschar bezeichneten. Sehr frei könnte man es mit „frecher Hund" übersetzen. Die Beschimpften griffen entschlossen das Schmähwort auf und nahmen es für sich als Ehrenbezeichnung in Beschlag. Für sie bedeutete es „die Freien" und war Ausdruck ihres Protestes gegen die etablierte Weltmacht Rom. 260 n. Chr. überrannten die Alemannen den Limes. In die frei gewordene Region drangen die Burgundén vor. Diese siedelten um 370 an Untermain und Unterneckar. Nach 400 zogen sie in die heutige Pfalz weiter.
Die Merowinger
Von einer fränkischen Besiedelung spricht man vom Jahr 500 an, als Eroberte und Eroberer miteinander verschmol-
zen. Als erstes fränkisches Herzogs- und Königsgeschlecht kann man mit einigem Recht die Merowinger bezeichnen. Noch im fünften Jahrhundert beseitigte Chlodwig die Reste der Römerherrschaft und schlug die Alemannen zurück. Er vereinigte mit einer höchst einfachen, aber radikalen Methode die zahlreichen fränkischen Stämme, denn er brachte alle konkurrierenden Oberhäupter kurzerhand um. Im Jahr 496 ließ er sich auch noch feierlich taufen und paktierte, staatsmännisch geschickt, mit dem Papst in Rom. Ihm ging es zwar nur um die Macht, aber dessen ungeachtet errichtete er erstmals die drei fundamentalen Säulen, die später das christliche Abendland tragen sollten: die Antike, das Germanentum und die christliche Religion. Die Merowinger verloren bereits im siebten Jahrhundert ihre Führungskraft, und Ende dieses Jahrhunderts schwangen sich mit Pippin dem Milderen ihre Hausmeier auf den Thron. Sie nannte man Karolinger, nach dem legendären Kari Martell (714-741), der nicht nur sein Herrschaftsgebiet unermeßlich weit ausdehnte, sondern auch die Mauren über die Pyrenäengrenze zurücktrieb. Er verwischte mit dieser Expansionspolitik aber auch alle Grenzen der fränkischen Stammlande. Unter Karl dem Großen reichte das Regnum Francorum vom Atlantik bis an die Steppen Ungarns, von den Nordmeeren bis an die Ufer des Mittelmeers. Und selbst heute noch bezeichnet man im Orient alle, die aus dem Westen kommen, als Franken. Die Franken jedenfalls erlebten dieses Franken nicht als ihre
Heimat. Um 930 wurde zwar ein Herzogtum Ostfranken gegründet, das sich aber nicht als selbständige Macht etablieren konnte.
Damit verbietet es sich seit der Karolingerzeit eigendich auch, von einer „fränkischen" Geschichte zu sprechen. Wohl war das Frankenland Herzland des Alten Reiches und unteriag damit all dessen Entwicklungen, verspürte jeden Pulsschlag des Reiches. Franken wurde zum Stammland der deutschen Könige, der Salier und ab dem 12. Jahrhundert der Staufer. Während sich weite Teile des Reiches zu starken Herzogtümern entwickelten, blieb Franken Königsland. Es besaß nie eine repräsentative Hauptstadt.
Die Könige hatten Statthalter
Zunächst waren die Babenberger die königlichen Statthalter, später glaubten die Könige, ihre Interessen besser durch geistliche Fürsten gewahrt zu sehen. So wurden bereits 743 das Bistum Würzburg und 1007 von Heinrich II. das Bistum Bamberg gegründet. Nur kurze Zeit später versuchten die Könige, ihre Macht erneut auf andere Schultern zu verlagern. Es begann das Zeitalter der freien Reichsstädte. Weißenburg, Nürnberg, Rothenburg ob der Tauber, Windsheim, Schweinfurt und Dinkelsbühl erhielten diese Auszeichnung. Den Bischöfen erwuchsen in ihnen starke Gegenspieler. Zudem verioren sie einen großen Teil ihrer Grafenrechte an das Haus Andechs-Meranien, das mächtigste Grafengeschlecht dieser Zeit. Hier zeichneten sich bereits die Grenzen der später gebildeten