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EINFÜHRUNG
Frankreich ist ein Land von großer landschaftlicher und kultureller Vielfalt. Von den rund 55 Millionen Einwohnern gehören etwa vier Millionen nationalen Minderheiten an: Im Nordosten leben 1,2 Millionen deutschsprachige Elsässer und Lothringer, im Norden um Dünkirchen 200000 Flamen, im Nordwesten zwei Millionen Bretonen, im Südwesten um Biarritz 100000 Basken und im Roussillon 300000 Katalanen. Dazu kommen knapp fünf Millionen Ausländer,' die vorwiegend aus Nordafrika und aus ehemaligen französischen Kolonien zugewandert sind und das Land vor ernsthafte soziale Probleme stellen, für die angesichts der Gettoisierung der Zuwanderet noch keine Lösung in Sicht ist. Mit rund 550000 Quadratkilometer ist Frankreich das zweitgrößte Land Europas. Es erstreckt sich von den Pyrenäen im Süden bis zu der flämischen Ebene und den Argonnen im Norden, von der Oberrheinischen Tiefebene und den Vogesen im Nordosten bis zum Ärmelkanal im Nordwesten, vom Jura und den Alpen im Osten bis zum Atlantik im Westen, während der Südosten des Landes vom Mittelmeer begrenzt ist. Zum Staatsgebiet gehört auch die vor der Küste Italiens im Mittelmeer liegende Insel Korsika. Auf der Landkarte bildet Frankreich ein Sechseck mit den Ecken Flandern im Nordwesten, der Bretagne im Westen, den westlichen Pyrenäen im Südwesten, den östlichen Pyrenäen im Süden, den Meeralpen im Südosten und den Nordvogesen im Nordosten. Frankreich gilt als das Land des »juste milieu«, der »ausgewogenen Mitte«, wird es doch vom 45. Breitengrad durchzogen, der ein gemäßigtes Klima gewährleistet. Entsprechend der unterschiedlichen Ober-flächengestalt des Landes ist das Klima freilich nicht einheitlich: Die Westgebiete haben ein wintermildes Meeresklima mit einem Januarmittel von 4-6°C, die großen Beckenlandschaften, von denen noch die Rede sein wird, ein sommerwarmes Klima (Julimittel 18-22°C) mit mäßigen Wintertemperaturen und die Südküste ein subtropisches, sommerheißes Mittelmeerklima mit einem Julimittel über 22°C.
Geographisch gliedert sich das Landesinnere in drei Großlandschaften, zwei Becken und eine Grabenzone. Am größten ist das Pariser Becken, in dessen Zentrum die Ile-de-France liegt, die historische Keimzelle des französischen Staates. Den Südwesten Frankreichs bedeckt das Garonnebecken, das mit Aquitanien früher ein eigenstaatliches Zentrum besaß und verhältnismäßig spät (1453) nach dem Hundertjährigen Krieg endgültig zu Frankreich kam. Im Südosten erstreckt sich in Nordsüdrichtung der Rhöne-Saöne-Graben, der mit dem Zentrum Burgund vom 6. bis zum 16. Jahrhundert eine eigenständige Rolle spielte und danach nur schrittweise dem französischen Staatsverband und Sprachbereich eingegliedert wurde. Die Gebirgsschwellen zwischen diesen drei Großlandschaften sind verhältnismäßig niedrig: die Schwelle von Poitou im Westen 170 Meter, die Schwelle von Naurouze im Süden 190 Meter und das Plateau von Langres zwischen dem Pariser Becken und dem Saone-Graben 500 Meter. Schwellenartig aufgewölbt ist das Grundgebirge der Bretagne, das bis rund 350 Meter Höhe aufsteigt. Aus Gneisen und Graniten des Grundgebirges besteht auch das Zentralmassiv, eine bis auf 1500 Meter emporgewölbte Hochfläche, die im Quartär durch Lavamassen durchbrochen wurde. Damals entstanden bis zu 3000 Meter hohe Vulkane, die dann durch die Gletscher der Eiszeit stark abgetragen wurden, so daß heute der Puy de Sancy mit 1886 Meter Höhe die höchste Erhebung des Zentralmassivs ist. Die Becken wurden im Laufe der Jahrmillionen mit Meeres- und Tieflandsablagerungen (Kalke und Sandstein) gefüllt, die heute als Schichtstufen die Becken einrahmen; ein Beispiel hierfür ist das Lothringische Schichtstufenland. Die Kalke bilden ausgedehnte Hochflächen. Diese können wie in der Champagne landwirtschaftlich genutzt werden oder sind ödes Karstgebiet wie die Gausses am Südrand des Zentralmassivs. Der Graben im Südosten ist erst während des Tertiärs eingebrochen und deshalb von jungen Sedimenten gefüllt. Die Mittelmeerinsel Korsika ist ein wild zerklüftetes Bergland, das im schneebe-