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Gleich die erste Begegnung Goethes mit Jena hat jenen unbeschwerten und romantischen Charakter, der sich in den weiteren 55 Jahren nach allén Seiten hin entfalten sollte. Am 22. Dezember 1775 schreibt er an Lavater: Morgen geh ieh über Jena nach Waldeck, wilde Gegenden und einfache Menschen aufzusuchen. Mir geht alles nach Herzens Wunsch. Am 23. Dezember gegen Abend hat er dann Jena zum ersten Male gesehen, ohne sich freilich hier aufzuhalten. Vier Reiter waren es, die von Weimar her durch das Mühltal herabritten, Mitglieder der Hofgesellschaft und des neuen Freundeskreises, der sich rasch gebildet hatte, seit Goethe am 7. November in Weimar angekommen war. Sie wollten Weihnachten fern vom Hofe feiern. Den AnstoB dazu gab Friedrich Justin Bertuch, Geheimsekretár und Schatullverwalter des Herzogs Kari August, der spáter durch seine literarischen und kaufmánnischen Unternehmungen eine groBe Rolle in Weimar gespielt hat. Er war 2 Jahre álter als Goethe und verlobt mit Karoline, der álteren der beiden anmutigen Töchter des Wildmeisters Slevoigt, dem das Forstrevier Waldeck unterstand - schon im Jahre darauf hat er sie geheiratet. Auf die jüngere schien derMaler Melchior Kraus ein Auge geworfen zu habén; sie blieb aber unverheiratet und hat nach dem Tode der Schwester Bertuchs Haushalt geführt. Diese beiden jungen Mánner zog es über Weihnachten in das Forsthaus Waldeck, und sie hatten zu ihrem winterlichen Abenteuer auch Goethe, den Kammerherrn von Kalb, der Goethe von Frankfurt nach Weimar begleitet hatte, und den Kammerherrn der Herzogin Anna Amalia v. Einsiedel eingeladen. Kraus kam erst spáter nach, und so trafen alsó die vier am spáten Abend bei Regen im Forsthause ein. Nach dem Abendessen, wáhrend die anderen noch drunten sizzen und schmauchen und schwazzen, dafí ich's durch den Boden höre, beginnt Goethe sogleich einen langen Brief an den Herzog, denn ich vermisse Sie warlich schon, ob wir gleich nicht zwölf Stunden aus einander sind. Ich bin heraufgangen, es ist halb neune. Wind und Wetter hat uns hergetrieben, auch Regen und was dranhángt. Und da faBt er nun auch den ersten Eindruck von Jena in Worte: Die KlufFt nach Jena hinein hat mich in glücklichem Abendsonnenblick mit all ihrer dürren Herrlichkeit angeláchelt. Die Lage von Jena selbst mich gefreut, der Ort mich gedrückt . . . Dann schildert er, was man an den Weihnachtstagen trieb, wie er ungeduldig auf seine Schlittschuhe wartete, die ihm aus Weimar nachgebracht wurden, und nicht minder ungeduldig auf ein Exemplar der Odyssee - homerisch urtümliche Zustánde meinte er um sich zu habén, in den Menschen wie in der Natúr. Das Revier Waldeck ist recht schön. Die Waldungen in gutem Stand, dafí es wohl Freude ist. Schon