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6__VorwortMeinungsumfragen müssen nicht immer der Weisheit letzten SchluB bringen. Wenn sie ergeben, daB in Österreich ein neuer Patriotismus ent-standen ist, braucht dies nicht unbedingt mit Nationalstolz und darf keineswegs mit Chauvinismus gleichgesetzt werden. Das, was Befragungen festgestellt habén, was sich durch die Generationen zieht und durchaus nicht nur dann offenkun-dig wird, wenn es darum geht, sportliche Erfolge zu feiern, ist eine neue Ausprá-gung von Heimatliebe. Hand in Hand damit geht eine veriinderte Geschichts-betrachtung. Auch das kleingewordene Österreich besinnt sich wieder auf seine Wurzeln. Und auch die Jungen wissen, dali man ahnen muB, woher man kommt, wenn man erkennen will, wohin man geht.Jede der groBen Ausstellungen, die sich in den letzten Jahren mit österreichi-scher Geschichte befaBt habén, verzeich-nete Besucherrekorde - ob es nun um die Babenberger gegangen ist oder um Kaiser Franz Joseph, um die Vergangen-heit eines Bundeslandes oder die Geschichte der Donaumetropole, um kul-turhistorische Rückschau oder die Be-trachtung militargeschichtlicher Zasu-ren, wie sie das Jahr 1683 gebracht hat. Geschichte kann, entsprechend aufberei-tet, auch heute noch durchaus als Lehr-meisterin wirken. Der Erfolg der groBen Ausstellungen zeigt, daB dafür ein fruchtbarer Boden vorhanden ist. Und wenn - durchaus nicht nur auf dem FuBballplatz - die Worte der Bundes-hymne mitgesungen werden, in denen von der Heimat groBer Söhne die Rede ist, so schwingt auch dabei das Be-wuBtsein mit, daB dieses Land sich der Mánner und Frauen, die es im Verlauf der Jahrhunderte der Welt geschenkt hat, keinesfalls zu schamen braucht. Ein Buch GroBe Österreicher ist alsó vom Thema her durchaus aktuell - ein-fach ist es aber nicht, ein solches Buch zusammenzustellen. Da gilt es einmal zu definieren: Was heiBt groB? Und dann: Was heiBt Österreicher? Die Frage klingt banal, ist es aber nicht. Die Kriterien für historische GröBe an-dern sich mit der Betrachtungsweise, dem Blickwinkel und der Distanz. Man könnte ganz einfach die Formel GroB ist, wer GroBes geleistet hat anwenden und stockt dennoch bei der abermaligen Beurteilung: Was ist GroBes? Die Menschen, deren Lebensbilder in diesem Band gesammelt sind, habén -jeder auf seinem Gebiet - Dinge voil-bracht, auf die auch die Nachwelt stolz sein kann. Zumindest dieses Kritérium darf als unbestritten gelten. Oder anders ausgedrückt: es sind durchwegs positive Gestalten im Reich der Geschichte. GroB mag auch ein Massenmörder oder ein Weltzerstörer sein. Auch Herostrat, der den Tempel der Artemis in Ephesos vernichtete, steht in den Geschichtsbü-chern. Sagen wir es so: GroBe Menschen im Sinne dieses Buches sind gute Menschen, nehmt alles nur in allem. Bleibt Frage zwei: Wer ist ein Österrei-cher? BewuBt sind in diese Portratgale-rie Menschen nicht nur aus dem kleinen Österreich, sondern auch aus jenem groBen Gebiet aufgenommen worden, das man als den österreichischen Kultur-raum bezeichnen kann. Sofern sie in diesem österreichischen Kulturraum, in diesem gröBeren Österreich geboren sind. Das ist Mozart, aber nicht Beethoven. Das ist Franz Kafka, der Prager, aber nicht Franz Liszt, der geborene Un-gar. Es sind Wirkungsstatte und Aus-strahlungsort, die uns ausschlaggebend schienen. Deswegen habén wir Metternich, deswegen habén wir den Prinzen Eugen mit aufgenommen, obwohl ge-rade dieser den Beinamen von Sa-voyen trug. Er kam von dort, irgend-wann einmal, aber seit der Jünglingszeit hat er Österreich gedient. Zwanglos ergibt sich daraus die Erkun-digung nach den Auswahlkriterien. Nach welchen Gesichtspunkten ist vor-gegangen worden? In der Tat: nimmt man die Zahl hundert als gegeben an und setzt man sich keine historische Be-grenzung, ist der Willkür, könnte man meinen, Tür und Tor geöffnet. Hundert groBe Österreicher und Österreicherin-nen - wen nimmt man auf, wen rechnet man dazu? Es liegt auf der Hand, eine Grenze zu ziehen, die das Schicksal ge-schaffen hat. Kein Lebender findet sich in dieser Sammlung; die Weisheit des griechischen Philosophen, daB niemand vor dem Tod glücklich zu preisen sei, kann auch auf historische GröBe ange-wendet werden.Wir habén zudem versucht, eine gewisse geographische Verteilung ebenso zu berücksichtigen wie eine nach dem Geschlecht: Fragt man nach großen Österreicherinnen, darf die Zahl nicht auf Maria Theresia und Bertha von Suttner beschränkt bleiben.