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HALLE AN DER SAALE ist die Bezirksstadt eines der bedeutendsten Industriebezirke unserer Repubiik. Die Stadt ist umgeben von solchen Chemiegiganten, wie den volkseigenen Kombinátén Leuna-Werke Walter Ulbricht", Chemische Werke Buna und Chemisches Kombinát Bitterfeld. Hallesche Betriebe des Maschinen- und Fahrzeugbaus sowie der Bauindustrie genieBen Weitruf. Modernen Reisezugwagen des VEB Waggonbau Ammendorf begegnet man in allén Teilen der Sowjetunion. Pumpen der halleschen Pumpenwerke befördern Erdői aus der Sowjetunion in der Erdölleitung Freundschaft" bis in die LeunaWerke. An Bord von Fang- und Verarbeitungsschiffen auf allén Weltmeeren gefrieren Kálteaggregate aus der Maschinenfabrik Halle die kostbare Fracht. In 34 Lánder exportiert Halle seine Erzeugnisse, über 85 Prozent davon treten ihre Reise in die Lánder der sozialistischen Staatengemeinschaft an. lm 35. Jahr der Gründung der Deutschen Demokratischen Repubiik erreichten die Werktátigen der Stadt eine industrielle Warenproduktion in Höhe von 13,4 Milliárdén Mark. Damit wurden an einem Kalendertag Waren im Wert von 36,7 Millionen Mark geschaffen. In Halle leben 235000 Einwohner; die Stadt unnlaUt eine Fláche von 126 km2. Ihre Geschichte ist reich an humanistischen Überlieferungen und fortschrittlichen Traditionen der deutschen Arbeiterbewegung, die sorgfáltig bewahrtund gepflegt werden. Mehr als 30 Denkmale und Gedenkstatten erinnern an die opferreiohen Kámpfe und historisohen Siege der Arbeiterklasse. Neue, moderne Wohnbauten fügén sich mit den historischen Gebáuden zu einem harmonischen Gesamtbild. Wissenschaft und Bildung, Kultur und Kunst wurden in den 35 Jahren des Bestehens der DDR zum festen Bestandteil sozialistischer Lebensweise. Internationale Beziehungen bestátigen der Stadt einen weltoffenen Charakter. Feste Freundschaftsbande verbinden die Bürger der Stadt mit Ufa, der Hauptstadt der Baschkirischen Autonómén Sozialistischen Sowjetrepublik, mit der Bezirksstadt Katowice in der Volksrepublik Polen, mit der Komitatshauptstadt Veszprém in der Ungarischen Volksrepublik und mit Jambol, Hauptstadt des gleichnamigen Bezirkes in der Volksrepublik Bulgarien. Vertráge über Freundschaft und Zusammenarbeit bestehen mit Stadten anderer europáischer Lánder, in denen sich Halle sowie das Leben seiner Bürger in Ausstellungen, Vortrágen und Konzerten vorstellen konnte. Seit 1964 ist in direktor Nachbarschaft des über tausendjáhrigen Halle eine neue, junge Stadt entstanden: Halle-Neustadt, die Stadt der Chemiearbeiter. Sie bietet ihren rund 100000 Einwohnern ausgezeichnete Lebensund Wohnbedingungen. Schon in vor- und frühgeschichtlicher Zeit kontinuierlich genutzt, bildeten reiche Solevorkommen im unmittelbaren Siedlungsgebiet auch für die Entwicklung zur Stadt die ökonomische Grundlage. Das Jahr 961, in dem Kaiser Ottó I. dem Moritzkloster in Magdeburg das Gebiet um Halle schenkte, ist gleichzeitig der Beginn der Entwicklung Halles als Stadt. Schon im 11. Jahrhundert entstanden Salz produzierende Manufakturen, die die Entwicklung einer Stadtgemeinde mit Markt-, Münz-, Zoli- und Bannprivileg begünstigten. Die politische Autonomie wurde 1316 mit der Anerkennung der stádtischen Ratsverfassung erlangt. Die soziale Differenzierung zwischen Stadtbürgern, Handwerkern und Salzarbeitern führte im 15. Jahrhundert zu starken innerstádtischen Spannungen, die das Erzbistum nutzte, um die Feudalgewalt zu festigen. Diese Epoche endete mit der Entmachtung der seit Jahrhunderten herrschenden Pfánneraristokratie, wie mit dem Untergang der Selbstandigkeit der Stadt überhaupt. Erzbischof Ernst von Magdeburg Iiel3 als Ausdruck feudaler Gewalt im stádtischen Banngebiet die Moritzburg errichten. Wáhrend die sozialen, politischen und religiösen Kámpfe der Reformation und Bauernkriege das Land erschütterten, erlebte Halle als Residenzstadt Jahrzehnte einer höfischen und bürgerlichen Renaissancekultur. Die Stadt hatte sich noch nicht von den Folgen des DreiBigjáhrigen Krieges erholt, als 1694 die Universitát Halle gegründet wurde. Ihre Gründungsepoche in der ersten Hálfte des 18. Jahrhunderts gestaltete sich zu einer Blütezeit, in der bürgerliche Frühaufklárung und aktiver hallescher Pietismus der jungen Hochschule besonderes Gepráge gaben. Wáhrend die 1502 gegründete Wittenberger Universitát nach ihrer Eröffnung durch die Reformation und den von ihr vertretenen Humanismus weit über die Grenzen Deutschlands Anerkennung fand, wurde nun die alma mater halensis als die modernste Universitát Deutschlands bezeichnet. An ihr lehrten berühmte Profeseoren, wie der Jurist und Philosoph Christian Thomasius und der Philosoph Christian Wolff. Christian Thomasius trat für die Befreiung der Wissenschaft von der Bevormundung durch die Theologie ein und war ein Verfechter der bürgerlichen Naturlehre. Christian Wolff entwickelte das erste deutschsprachige philosophische System, er wurde deshalb als höchst gefáhrlich von den preuflischen Behörden bei Strafe des Stranges" des Landes verwiesen. Neben den Medizinern Friedrich Hoffmann und Georg Ernst Stahl verdient der Theologe und Pádagoge August Hermann Francke mit der Gründung der Waisenhausstiftungen hohe Anerkennung, 1754 erlangte mit Dorothea Erxleben die erste Frau den medizinischen Doktorgrad einer deutschen Universitát. Die stándigen Kriege PreuBens ruinierten nach 1750 nicht nur die bescheidenen Anfánge eines neuen wirtschaftlichen Aufschwungs der Stadt, sondern auch die Anziehungskraft der Universitát. lm Ergebnis des Wiener Kongresses wurden 1817 die Universitáten Halle und Wittenberg vereinigt. Burschenschaftsverfolgungen und Auseinan-