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Franz Hubmann - Heimliches Österreich [antikvár]

Heimliches Österreich [antikvár]

Franz Hubmann

 
über das eigene Land etwas auszusagen, Wesenszüge hervorzuheben, Dunkles zu erhellen, Verborgenes aufzuzeigen, gibt es einen schöneren, auszeichnenderen Auftrag? Und doch muß ich gestehen, daß ich es zunächst nicht so empfand, ja eine leise Abneigung fühlte, mich auf dieses Thema einzulassen. „Heimhches Österreich!" Was konnte das bedeuten? Ein Grinzinger Clochard, ein Kärntner Mägdelein in verspielter Bauern-stub', ein Blick vom Grazer Schloßberg, der am Rand doch noch den Uhrturm mit einschließt - hätten ihn die Franzosen...
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über das eigene Land etwas auszusagen, Wesenszüge hervorzuheben, Dunkles zu erhellen, Verborgenes aufzuzeigen, gibt es einen schöneren, auszeichnenderen Auftrag? Und doch muß ich gestehen, daß ich es zunächst nicht so empfand, ja eine leise Abneigung fühlte, mich auf dieses Thema einzulassen. „Heimhches Österreich!" Was konnte das bedeuten? Ein Grinzinger Clochard, ein Kärntner Mägdelein in verspielter Bauern-stub', ein Blick vom Grazer Schloßberg, der am Rand doch noch den Uhrturm mit einschließt - hätten ihn die Franzosen nur ebenfalls schleifen lassen! „Heimliches Österreich" - was in der Tat sollte damit gemeint sein, wie ein erträglicher, wie ein guter Bildband zustande kommen? Ich zögerte, fühlte Abneigung, aber auch Neigung, Widerspruch und Herausforderung. Schließlich sagte ich mir, daß ich schon bei früheren Büchern mit Franz Hubmann zusammengearbeitet hatte, und wußte, daß ihm Klischees ebenso verhaßt sind wie gewollte Originalität - die Karlskirche durch das Schlüsselloch der Technischen Hochschule, der Stephansdom, wie er sich im Wasserglas auf dem Tisch des gegenüberliegenden Kaffeehauses spiegelt, und ähnliches mehr. Franz Hubmann ist nicht nur ein überaus gebildeter Mann, er ist auch unter den Photographen wahrscheinlich der „literarischste". Das soll nicht sagen, daß seine Bilder - gefundene, gesammelte, wie eigene - Illustrationen zu literarischen Texten sind, keinesfalls; sie sind nur manchmal vollendete Umsetzungen. Ich erinnere mich noch eines unserer ersten Gespräche. Ich blätterte in einem Stoß Bilder, die er ohne viel Worte vor mir ausgebreitet hatte. Eines davon fiel mir sofort auf, ich sah es etwas genauer an, zeigte es Hubmann und fragte: „Joseph Roth?" Er nickte bestätigend. Aber es wäre sicherlich beiden schwergefallen, zu sagen, worin nun diese erstaunliche Affinität, dieses unübersehbare Zusammenströmen gelegen war. „Heimliches Österreich" also! „Heimlich, heimlicherweise, Heimlichkeit, Heimhchtuer, Heimlichtuerei, heimlichtun, er hat immer so heimlichgetan: geheimnisvoll getan; aber: er hat es heimhch getan, ohne Wissen anderer." Soweit das Wörterbuch. Aber was war in diesem Zusammenhang davon zu halten? Eingehende Gespräche ergaben, daß sich dahinter zwar eine genaue Vorstellung verbarg, daß es aber nicht ganz leicht war, diese Vorstellung prägnant zu fassen und zu übermitteln. Denn in dieser Vorstellung war mehr enthalten, als eine bestimmte Einstellung zu den Gegebenheiten unserer Umwelt, darin war, wenn man so will, auch eine „Philosophie der Heimat" verborgen. Vielleicht ist es am einfachsten, mit dem Negativen zu beginnen, Irrtümern vorzubeugen, zu sagen, was nicht darunter verstanden werden soll: Die kokette Heimlichkeit etwa, die pausbäckige Hübschheit hinter dem Blumenstrauch, die Behaglichkeit des Alterchens im Altenteil, auch nicht allein und auf sich gestellt die Geborgenheit des alljährlich etwas entwerteten Bregenzerwaldhauses, auch nicht die „Heimlichkeit" verborgener Winkel und Ecken - ein bißchen Schilf, eine Handvoll Wasser und viel Himmel darüber -, auch nicht die Heimlichkeit des Milieus allein: Bergknappen, Volksschullehrer, Schiffer, Jäger, Sauschneider, Pendler und Hebammen! Das alles also nicht. Schon eher „heimlich" in Verbindung mit Verborgenem, Überlagertem, Freizulegendem; „heimlich" in Verbindung mit Grundierendem und Fundierendem; „heim-

Termékadatok

Cím: Heimliches Österreich [antikvár]
Szerző: Franz Hubmann
Kiadó: Verlag Fritz Molden
Kötés: Vászon
ISBN: 3217006313
Méret: 220 mm x 280 mm
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