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AN STELLE EINES VORWORTES
Gewölinlioli geht der ^ inter gnädig um mit Hiddensee. Er pflegt verhältnismäßig spät zu kommen, naß, windig, aber mild zu sein, um endlich einem späten Frühling Platz zu machen. Der Schnee, der reichlich fällt, taut meistens wieder schnell hinweg. Die Eishaut, die den Bodden überzieht, wird häufig nicht genügend fest zu einer Schlittenbahn, zwingt aber doch die SchifTe in die Häfen. Dann liegt die Insel abgeschnitten.
Im Februar des Jahres 1956 sah es anders aus Durch eine Schlucht aus Schnee schiebt sich der Omnibus von Bergen nach Schaprode. Ein Treck von Schlitten, je ein Pferd davor, zieht übers Eis, im Gänsemarsch. Das Ziel ist Hiddensee, das in der Schneewelt ringsumher kaumauszumachen ist. Die Glöckchen an den Sielen klingeln in den stillen Tag, aus Pferderücken dampft der Schweiß und riecht sehr streng, des Kutschers Atem aus dem Schaffell steigt wie Pfeifenrauch zum blauen Winterhimmel auf. Die Pferde laufen von selbst schneller, sobald die Schlange irgendwo zu reißen droht: Tiere wie Menschen wissen Tuchfühlung zu schätzen in dieser weißen Einsamkeit. Die Schlitten haben Proviant geladen, Waren für die Läden, Post für die Menschen auf der Insel. Schlitten sind jetzt die Boten zu der großen Welt. Im letzten des Konvois kauert ein Fremder auf dem Mehlsack, in Decken eingemummt, mit kalten Füßen und mit einer Flasche neben sich, die ständig zwischen ihm und seinem Kutscher hin und wider wandert. - Bitte -danke - und nach jedem Schluck ein langgedehntes Ah - darin erschöpft sich ihre Unterhaltung. Die bleiche Sonne tief im Südwesten wirft Pferdeschatten auf das Eis, die mit überlangen Beinen vorwärtsstaken. Ringsum ist alles blendend weiß mit einem blaßbläulichen Schein darüberhin, oder honiggelb wie Biersuppe, wenn man die Sonnenbrille vor die Augen schiebt. Und bitter kah ist es, fast zwanzig Grad unter Null.
Die Nacht verbringt der Gast in einem Fischerhaus, zu dem vom Wege ab ein Stollen in den Schnee getrieben ist, in einer klammen Kammer, bedeckt mit einem Berg von Federbetten, die für ein halbes Dutzend Sommergäste langen würden. Er friert trotzdem und findet keinen Schlaf. Am Morgen aber wandert er hinaus
Kein Lüftchen regt sich. Aus jedem Schornstein steigt ein Fädchen Rauch eilig und schnurgerade in die Höhe. Die Sonne scheint sehr hell und müht sich sichtlich, auch zu wärmen. Noch aber hängen nirgends Zapfen an den steilen Dächern, auf deren glattem Rohr der Schnee so leicht ins Rutschen kommt. Dafür Hegt er rings um die Häuser zu Rergen aufgeschichtet. Zwischen Vitte und Kloster glitzert ein einziges Schneefeld wie mit Diamanten übersät im Sonnenlicht. Und die beschneite Hucke erinnert an das KreidekliflT der Stubbenkammer.