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Vorwort
Wenn der Name Weimars genannt wird, denken wir zugleich an die Dichter der klassischen deutschen Literatur: Goethe und Schiller, Herder und Wieland. Wir denken aber auch an Buchenwald, dessen Schatten acht Jahre den Himmel Weimars verdunkelten und dessen 30. Jahrestag der Selbstbefreiung mit dem 1000jährigen Jubiläum der Stadt zusammenfällt -Mahnung und Verpflichtung, dem Bösen, wo immer es sein Haupt erhebt, entgegenzutreten. Weimar und die Klassik, bei dieser Assoziation wird oft, so will es scheinen, vergessen, daß Weimar vor hundert oder zweihundert Jahren ein eigenständiges, von der Kulturgeschichte nicht primär bestimmtes Gemeinwesen gewesen ist. Weimar war vor diesen Zeiten ein historisch wie geographisch fixierter Ort, für den - wie für viele andere Städte - Topographien und Reisebegleiter geschrieben wurden. Das ver-anlaßte vor allem das Erscheinen des Buches von Friedrich Albert Klebe mit dem schönen Titel „Histo-risch-statistische Nachrichten von der berühmten Residenzstadt Weimar"; diese Schrift wird hiermit in einem Neudruck vorgelegt.
Weimar galt dem Verfasser in erster Linie als Residenzstadt. Diese Funktion als Sitz des Hofes und der Landesbehörden ist für unsere Gegenwart ohne Belang. Indem Nachrichten über den Hof oder den Adel fast völlig fehlen, zeigt sich Klebe als ein bürgerlicher Autor, dem die Lage des Ortes und die ökonomischen Möglichkeiten, dem die vorzüglichen Gebäude und
Einrichtungen der Stadt, dem die künstlerisch wie wissenschaftlich bedeutenden Institute beschreibens-wert erschienen. Auf solche Weise lieferte uns der Verfasser einen aufschlußreichen Zustandsbericht über die Weimarer Verhältnisse um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert. Unser erklärtes Interesse an der Umwelt der klassischen Dichter, an den äußeren Bedingungen für ihr Leben und Schaffen läßt es geraten sein, auch Zeugnisse wie das vorliegende Handbüchlein für den Besucher Weimars zur Goethe-Zeit in die Betrachtungen einzubeziehen.
Beim Lesen der „Nachrichten" Klebes über das Weimar des Jahres 1800 darf nicht vergessen werden, daß es eine Zeitverschiebung zwischen den tatsächlichen Geschehnissen in der Stadt und der Wiedergabe in dem Buch gibt. So fehlt unter der Aufzählung der „Gelehrten" Weimars Friedrich Schiller, der wenig vorher, nämlich im Jahre 1799, nach Weimar übergesiedelt war und zuerst in dem Haus Nummer 8 der Windischengasse Wohnung genommen hatte. In diesem Falle handelt es sich um ein wohl verzeihliches Faktum. Dagegen bleiben bei den Urteilen über den kulturellen Rang Weimars einige Fragen offen. Unser Autor ermißt die Bedeutung Wielands, Goethes und Herders nur an dem Schaffen der Zeitgenossen, ohne den Bezugspunkt für die generelle Entwicklung der deutschen Dichtung und für das Aufblühen von Bildung, Kunst und Wissenschaft überschauen oder finden zu können. Der Autor hat sich, wie er in seiner Ein-