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Historische Gaststätten in Europa [antikvár]

Winfried Löschburg, Wolfgang Hartwig

 
Von Frankenberg nach Nürnberg 62 Stunden, nach Wittenberg 28, nach Karlsbad 21 Stunden, aber bey großem Wasser noch viel länger - lesen wir voller Verwunderung an einer alten Postmeilensäule. Wieviel Zeit kostete im Jahre 1725 das Reisen! Heute überbrücken moderne Verkehrsmittel Zeit und Raum in einem Maße, das unseren Eltern und Großeltern unvorstellbar war. Damit hat sich aber auch der Charakter des Reisens und des Rastens grundlegend gewandelt. Nur zu oft legen wir Hunderte von Kilometern in denkbar kürzester Zeit zurück, um dann...
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Von Frankenberg nach Nürnberg 62 Stunden, nach Wittenberg 28, nach Karlsbad 21 Stunden, aber bey großem Wasser noch viel länger - lesen wir voller Verwunderung an einer alten Postmeilensäule. Wieviel Zeit kostete im Jahre 1725 das Reisen! Heute überbrücken moderne Verkehrsmittel Zeit und Raum in einem Maße, das unseren Eltern und Großeltern unvorstellbar war. Damit hat sich aber auch der Charakter des Reisens und des Rastens grundlegend gewandelt. Nur zu oft legen wir Hunderte von Kilometern in denkbar kürzester Zeit zurück, um dann mehr oder minder notgedrungen irgendwo zu speisen und zu übernachten, ohne viel nach dem Was und Wo zu fragen. Unsere vom technischen Fortschritt bestimmte Zeit läßt wenig Raum für Idyllen, und das vorliegende Buch will den Reisenden und Touristen nicht zur Einkehr in historische Gaststätten verlocken, um ihm etwa die Illusion vorzugaukeln, er könne dort für ein Stündchen der Geschäftigkeit und den Forderungen unserer Zeit entfliehen und in Erinnerungen an Vergangenes schwelgen. Es will zu einer Zeit, da in vielen Hotels, Restaurants und Cafés kühler Nützlichkeits- und Zweckmäßigkeitskomfort und styling an Stelle organisch gewachsener Gediegenheit getreten sind, an ehrwürdige Traditionen erinnern und etwas von dem unnachahmlichen Fluidum vermitteln, das sich mit echten historischen Gaststätten verbindet. Es will Menschen ansprechen, die das perfektionierte Reisen mit all seinen neuen Möglichkeitenempfänglicher macht für gepflegte, gediegene Behaglichkeit, für die es reizvoll und interessant ist, an ihrer Raststätte dem Geist der Vergangenheit nachzuspüren, die wertvolles Porzellan lieben, ihren Wein gern aus alten Kelchen trinken, Gemälde und alte Gobelins schätzen und den Abend lieber in einem geschichtsumwitterten Raum bei flackerndem Kerzenschein als in weitläufigen neonüberfluteten Hotelhallen verplaudern. Einige alte Gaststätten sind zum Begriff geworden. Besäße Leipzig an Sehenswürdigkeiten nichts weiter als den über 400 Jahre alten Auerbachs Keller, es würde ausreichen, die Stadt in aller Welt berühmt zu machen. Und das durchaus nicht nur, weil Goethe hier als junger Student in froher Runde herzhaft den Becher schwang oder weil Partien seiner unvergänglichen Dichtung, die Kellerszene mit dem phantastischen Zauberspuk Fausts und Mephistos, in diesem alten Weinschank lokalisiert werden können. Seiner kulturhistorischen Atmosphäre und althergebrachten Gastlichkeit wegen blieb diese Gaststätte bis heute ein besonderer Anziehungspunkt für all jene, die abseits vom pulsierenden Alltag oder dem Messegeschäft eine Stätte der Geborgenheit und altberühmten Historie suchen. Gäste aus aller Herren Länder kehren hier ein, studieren die bunten Tableaus mit Szenen aus dem Faust, die Originalhandschriften des Dichters an den Wänden und wagen dann auch einen Besuch im sagenumwobenen Faßkeller,wo ihnen der Küfermeister sozusagen in Anwesenheit des Teufels weißen Wein vom Faß abfüllt. Der Atem der Geschichte und der Sage durchweht das Gewölbe, mag es auch wenig Patina zeigen. Aber nicht viele solcher erinnerungsträchtigen Stätten haben die Jahrhunderte überdauert. Kriege und Zerstörungen schlugen hier schlimme, oftmals unheilbare Wunden, und nicht selten ist manches von dem, was glücklich diese Zeiten überstand, gemäß den nach Sachlichkeit und Zweckmäßigkeit strebenden Vorstellungen im Wege und unter diesem Aspekt bereits umgestaltet worden. Mancher bekannte Name wird vermißt werden. Traditionsreiche Gaststätten, wie das Bratwurst-glöckle in Nürnberg, das Silberne Kaffeehaus in Wien, das Goldene Schild in Karlsbad, der Weiße Löwe auf der Piazza San Bartolomeo in Venedig oder der König von Portugal und der Keller von Lutter & Wegener in Berlin sind nicht mehr erhalten. Andere Häuser mußten Neuem weichen, wie das gespenstische Wirtshaus im Spessart bei Rohrbrunn, oder erhielten, ähnlich wie der berühmte Elefant in Weimar und die Drei Mohren in Augsburg, ein neues Äußeres. Vieles ist auch in Vergessenheit geraten, hat Namen und Gewerbe gewandelt, ist untergegangen.Wer heute historische Gaststätten kennenlernen will, muß Nebenstraßen fahren, durch alte Städtchen und über buckliges Pflaster abseits vom brausenden Strom des Massenverkehrs5

Termékadatok

Cím: Historische Gaststätten in Europa [antikvár]
Szerző: Winfried Löschburg Wolfgang Hartwig
Kiadó: Edition Leipzig
Kötés: Félvászon
Méret: 220 mm x 220 mm
Winfried Löschburg művei
Wolfgang Hartwig művei
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