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Hohenlohe
Bilder eines alten Landes
Hohenlohe - der Klang dieses Namens ruft Bilder einer weithin noch bäuerlich geformten Landschaft herauf, einer Pastorale, einer Symphonie in Grün. Auf der sanft gebuckelten, weithin ausstreichenden Ebene wechseln Waldblöcke mit Ackerbreiten und Viehkoppeln. Tief haben sich die Flüsse in den Muschelkalk eingekerbt; ihre Hänge werden von Klingen, den grünfeuchten Tälchen der Nebenbäche, geschlitzt. Wo sich die Flußtäler weiten, schraffieren Rebzeilen den sonnseitigen Hang, bald in geschlossenem Gürtel, bald in versprengten Karrees, durchmischt, durchwirkt von Obststücken und Heckenwildnis, gebändert von Feldern; vereinzelt dü-stern frisch aufgeforstete Fichtenschläge. Am Prallhang der Zwillingsflüsse Kocher und .lagst, über der sickernassen schroffen Felswand des Wellenkalks, dem Kleeb, stockt der Wald. Breiter, kulturfreundlicher, mit flacher geneigten Hängen lichtet sich der mittlere Taubergrund. Kleine Städte im Tal, stattliche Dörfer, Weiler, Höfe auf der kornschweren Ebene bestimmen vordergründig das Siedlungsbild. Am Rand einiger Städte, vor allem in den Trabantensiedlungen auf der Höhe, fremdeln Hochhäuser. Um Künzelsau hat Industrie die Konturen der Kocheraue verwischt, hat man die Hänge mit einem Häuserbrei vollgeklatscht. Gemessen am trist-grauen Alltagsbild der bundesdeutschen Wohn- und Werkstättenlandschaft erscheint Hohenlohe jedoch fast als eine agrarisch grüne Idylle. Ein Blick in die Statistik genügt; Mit einer Dichte von 100 Einwohnern liegt Hohenlohe weit unter der Norm Baden-Württembergs mit 260 Einwohnern je Quadratkilometer.
Großstädtern mag es wie eine Sage klingen, daß die .lagst, unterhalb Langenburgs von einem Mühlenwehr aufgestaut, offiziell als Flußschwimmbad ausgewiesen ist; das Wasser wird im Sommer laufend untersucht und war bisher noch immer einwandfrei sauber. Mag auch hier die Zeitbombe der allgemeinen Umweltverseuchung ticken - im Hohenlohischen gehen die Uhren noch immer ein bißchen anders.
Hohenlohe ist heute ein geographischer, kein dynastischer Begriff mehr. Über das einstige Fürstentum Hohenlohe hinaus schließt diese Kulturlandschaft im Norden den mittleren Taubergrund mit dem Deutschordensgebiet um Mergentheim ein. Gegen Westen, an der .lagst, rainen das einst kurmainzische Krautheim, die Prälatur Schöntal, das reichsritterschaftliche .lagsthausen an. Im Osten gehören das ausgedehnte hällische Reichsstadtterritorium und markgräflich ansbachsches Gebiet um Gerabronn und Crailsheim dazu; mit der Residenz Schillingsfürst auf der Frankenhöhe spielt Hohenlohe sogar über die Landesgrenze ins Bayerische hinüber. In verwaltungsrechtlichen Grenzen umfaßt Hohenlohe nach heutigem Sprachgebrauch den Altkreis Mergentheim, den Kreis Schwäbisch Hall, samt einem Teil des Crailsheimer Sprengeis, sowie den Hohenlohe-Kreis mit Künzelsau und Öhringen. Geographisch gesehen, erstreckt sich unser Gebiet von der markanten Keuperstufe der Waldenburger Berge und des Mainhardter Waldes bis hinauf zum Taubergrund.
Hohenlohe sei kein dynastischer Begriff mehr, hieß es eben. Aber das muß gleich wieder eingeschränkt werden.