Bővebb ismertető
IstanbulZu Anfang dieses Jahrhunderts war sie noch eine Welt aus Tausendundeiner Nacht, diese Stadtlandschaft, die inselgleich mit ihren Hügeln aus dem Meer aufsteigt, da, wo Europa und Asien sich fast berühren, die flachen Häuser von ungezählten Kuppeln, schlanken Minaretten und dem goldblinkenden Halbmond überhöht - eine Welt voller Märchen und Geheimnis, Schauplatz säkularer Kämpfe und Intrigen, Zankapfel der Völker und Religionen, jeder ihrer Namen -Byzanz, Konstantinopel, Istanbul - ein weltgeschichtlicher Begriff. Noch residierte hier einer der Großen dieser Welt, Sultan des osmanischen Reichs, Herrscher über manche Völker in beiden Erdteilen, Kalif der Gläubigen.Beim Selamik am Freitag kann man den Großherrn selbst erblicken, wie er sich, umgeben von seinen Gardetruppen, in der offenen Equipage von seinem Palast zum Gottesdienst in eine der Moscheen begibt. In den engen Gassen und Basaren der Millionenstadt drängen sich die Untertanen des Padischah, die den roten Fez tragen. Die besser situierten Herren bezeugen durch ihre europäischen Anzüge ihren Anschluß an die westliche Zivilisation; aber das traditionelle wallende asiatische Kostüm herrscht noch vor. Die Türkinnen gehen tief verschleiert. Unter die verschiedenen Rassen Anatollens mischen sich Araber, Perser, Neger, Angehörige der Balkanländer und andere Vertreter des weiten Reiches. Mullahs, Derwische, Limonadeverkäufer mit ihrem messingblinkenden Gerät, Märchenerzähler, Drehorgelspieler tauchen in der geschäftigen Menge auf, die Pferdedroschken bahnen sich zwischen Eseltreibern und keuchenden Lastträgern einen Weg über das holprige Pflaster.Im Stadtteil von Pera, nördlich des Goldenen Horns, herrscht das europäische Element vor. Hinter vornehmen Portalen, inmitten stiller, gepflegter Parks, liegen hier, kleinen Fürstenresidenzen gleich, die Botschaftsgebäude der Großmächte. Das Deutsche Reich, Österreich-Ungarn, Frankreich und Rußland haben ihre eigenen Postämter in Pera und Galata. Konstantinopel - wie es unter Europäern noch allgemein heißt - ist nicht nur der Sitz des Scheich-ül-lslam, des Oberhauptes der mohammedanischen Geistlichkeit, sondern auch des ranghöchsten Patriarchen der griechisch-orthodoxen Christenheit, eines armenisch-katholischen Patriarchen, eines päpstlichen Legaten und eines Oberrabbiners. Fast die Hälfte dieser kosmopolitischen Stadt besteht aus Nichttürken, darunter ein großes Kontingent Griechen, fast ebensoviele Armenier und Juden. Es ist der Treffpunkt von Ost und West, von morgenländischem Mittelalter und der technischen Zivilisation Europas. Über dieser glanzvollen ältesten Kaiserresidenz der Welt liegt der Schatten des Untergangs. In den europäischen Kabinetten spricht man vom kranken Mann am Bosporus. Die Souveränität über den Balkan und die östlichen Mittelmeerinseln, über die Dominien in Nordafrika und im westlichen Asien besteht vielfach nur noch dem Namen nach, und auch diese Scheinherrschaft bröckelt zusehends ab. Das in voller Entfaltung begriffene Großrussische Reich drängt mit Macht an die Meerenge, die es vom Mittelmeer trennt, und beansprucht auch die Nachfolge von Byzanz als christliche