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GELEITWORT
Der Aufforderung, dem Werke Kurt Hielschers über Italien einige einführende Worte zu widmen, bin ich gern gefolgt. Das Werk bringt [jetzt da wir uns langsam wieder auf uns selbál besinnen] eine der ilärkiten Seiten unseres Volksempfindens zum Ausdruck: die Sehn-' sucht, die uns Germanen seit Jahrtausenden nach dem Süden zieht. Bleibt doch Italien das Land, das einen Dürer, Händel und Goethe zu den größten Leistungen begeistert und Ge-' lehrte wie Ranke, Gtegorovius und Jakob Burckhardt in entscheidender Weise angeregt hat. Ein Land, in das rätselhaft das Schicksal der nordischen Stämme verflochten iát, die ihrer Liebe treu blieben trotz aller Enttäuschungen.
So wird es verständlich, daß gerade Italien das große Talent Kurt Hielschers reizen mußte, das er vorher an Spanien und unserer herrlichen deutschen Heimat mit ihren monumentalen Zeugen einer älten Geschichte und Kultur erprobt und erwiesen hatte. Dies Werk geht seine eigenen Wege. Es führt uns zu dem echten Italien, das es in prächtigen Bildern von den Alpen bis zur SüdküSte Sizihens an uns vorüberziehen läßt. Die Bilder dieses Werkes zeigen in meisterhaft künitlerischer Auffassung und trefflichSter technischer Wiedergabe, was wir in Italien sehen, und vor allem, wie wir es sehen sollen. An diesen Abbildern von Land und Volk wird jeder, auch der befte Kenner Italiens, jeder Kunstfreund und KünStler lernen, was dieses Land in seiner herrlichen Natur und der Erscheinung, die ihm der Mensch in den Jahr/ tausenden gegeben hat, besonders sehenswert macht, und vor allem würdigen, zu welcher Einheit hier Natur und KunSl in gegenseitigem Wetteifer sich gesteigert haben. Es lohnt, sich in die einzelnen Bilder zu vertiefen. In ihnen erweiSt sich die Bedeutung, die Tagest und Jahreszeiten gewinnen können, um den künstlerischen Inhalt des Dargestellten voll zur Wirkung zu bringen. Aber vielleicht sollte hierüber nicht gesprochen werden, denn die un^ mittelbare Wirkung des Bildes wird Stärker als dieser Hinweis die Bedeutung des Ange^ führten erhellen.
Das Werk über Italien gibt BaukunSt und Landschaft, nicht wie das über Spanien gleich/ zeitig das Volksleben. Und das mit Recht. In Spanien Stellt sich das Volksleben noch viel/ fach in det freien Natur dar, in Deutschland und bei den germanischen Völkern überhaupt vornehmlich im Hause. In Italien hat es in langen Jahrtausenden seine feSten Kulturformen angenommen. Es erinnert nur in dem jahrhundertelang von den Spaniern beherrschten und kulturell beeinflußten Süden — in dem übrigens noch ReSte maurischer Bevölkerung wohnen — an das Treiben in Spanien.
Um so bedeutender iSl für Italien die Landschaft und in dieser wieder die Architektur. Kein Land der Welt zeigt eine so mannigfaltig entwickelte BaukunSt wie Italien, die hier
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