VorwortJerusalem, schrieb Herman Melville 1860 nach einem Besuch in der Stadt, wird von einem Heer von Toten belagert. Siebenund-dreißigmal soll die Stadt zwischen ihrer Gründung und der Einnahme ihres uralten Herzstücks durch die Israelis im Jahr 1967 belagert worden sein. Als Arthur Koestler während des Kriegs von 1948 dort war, trieb ihn das internationale Gezanke, Gefeilsche und Vermitteln zur Verzweiflung. Keine andere Stadt hat über die Jahrhunderte hin derart stete Wellen des Tötens, Vergewaltigens und unheiligen Elends verursacht...
VorwortJerusalem, schrieb Herman Melville 1860 nach einem Besuch in der Stadt, wird von einem Heer von Toten belagert. Siebenund-dreißigmal soll die Stadt zwischen ihrer Gründung und der Einnahme ihres uralten Herzstücks durch die Israelis im Jahr 1967 belagert worden sein. Als Arthur Koestler während des Kriegs von 1948 dort war, trieb ihn das internationale Gezanke, Gefeilsche und Vermitteln zur Verzweiflung. Keine andere Stadt hat über die Jahrhunderte hin derart stete Wellen des Tötens, Vergewaltigens und unheiligen Elends verursacht wie diese Heilige Stadt, schrieb er damals.' In grauenerregender Zahl sind Jerusalemer Bürger seit diesen melancholischen Äußerungen Melvilles und Koestlers Gewalttaten zum Opfer gefallen. Besonders die Zeit seit 1967 war eine einzige Abfolge terroristischer Bombenanschläge, Unruhen, Rebellionen und Unterdrückungsmaßnahmen.In der Gewalt schlägt sich der Mangel an einer auf Konsens angelegten Politik nieder. Die auf ewig vereinigte Hauptstadt des Staates Israel ist die am tiefsten gespaltene Hauptstadt in der ganzen Welt. Ihre arabischen und jüdischen Einwohner wohnen in unterschiedlichen Bezirken, sprechen unterschiedliche Sprachen, besuchen unterschiedliche Schulen, lesen unterschiedliche Zeitungen, sehen unterschiedliche Fernsehprogramme, feiern unterschiedliche Feiertage, hängen an unterschiedlichen Fußballvereinen - leben kurzum in nahezu jeder Hinsicht unterschiedliche Leben. Siebzig Prozent der Israelis gaben vor ein paar Jahren in einer Meinungsumfrage zu, noch nie eines der arabischen Gebiete Jerusalems außerhalb der Altstadt betreten zu haben. Araber kommen in die jüdischen Viertel nur, um die ihnen innerhalb der israelischen Wirtschaft zugewiesenen Rollen zu erfüllen, als Bauarbeiter, Kellner oder sonstige Arbeiter, obwohl sie nach und nach aus derlei Jobs durch eine Reservearmee nicht-jüdischer Arbeitsimmigranten hinausgedrängt werden: von Russen, Filipinos, Türken, Rumänen, Ghanaern und anderen, die in den Augen ihrer Arbeitgeber ein geringeres Sicherheitsrisikot'Ii.
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Cím: Jerusalem - Der Kampf um die Heilige Stadt [antikvár]
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