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Ein Sprungbrett zum schönen JugoslawienNach dem Trojanischen Krieg wählte Odysseus einen etwas umständlichenWeg nach Hause. Bis heute können sich die Geschichtsschreiber nicht einigwerden, ob man die Götter für seine Umwege loben oder rügen sollte. Jedenfallsverbrachte er ganze sieben Jahre seiner Wanderung in den Armen der NympheKalypso auf einer adriatischen Insel wo die Natur auch mit anderen Schönheitennicht geizte.Odysseus war weder der erste, noch der letzte Reisende, dem es das Stück Land,das heute Jugoslawien genannt wird, angetan hat: Unzählige hat sein prachtvollesVolkserbe in Bann geschlagen und seine trotzige Haltung in der neuestenGeschichte in Staunen versetzt. Für den wißbegierigen Reisenden vomLenhstuhl aus hat der Nobelpreisträger Ivo Andric mit seinem Roman Brückeüber die Drina" einen symbolischen Brückenbogen zu Jugoslawiens Bergen undTälern, den Freuden und Leiden seiner Geschichte erbaut. Eine Brücke dasist wohl ein treffendes Gleichnis für dieses Land, das als Vermittler in derWeltpolitik eine unvergleichlich wichtigere Rolle spielt, als es ihm der Größenach gebührt. Es ist in jeder Hinsicht eine Brücke: ein einzigartiges, manchmalbefremdendes Übergangsland zwischen zwei Welten, die es zugleich trenntund vereinigt und dabei den Durchziehenden zu Träumereien anregt.In diesem Landstrich, der Uneingeweihten nur zu oft als wilder Balkan"erscheint, sehen sich Christus und Allah friedlich Aug in Auge, reichen sich Ostund West die Hände, lächelt das tatendurstige Europa nachsichtig über diesüdländische Besinnlichkeit, drückt ein halbes Dutzend Sprachen die gleichenGedanken aus und erglänzt der Schnee der Bergspitzen über dem warmenMittelmeer. Frieden und Gleichgewicht, die das Land heute genießt, sindkeineswegs ein Ausdruck jugendlichen Übermuts, sondern eher ein Zeichender um den Preis erschütternder Erfahrungen erkauften Altersweisheit.Sicher, Worte sind unzureichende Werkzeuge, um das Leben anzupacken, undein Buch ist der Aufgabe, eine Welt von Schönheit hervorzuzaubern, kaumgewachsen. Dennoch wagen wir es, Ihnen ein Werk vorzulegen, für das sichmehrere Verfasser zusammengetan haben, um das Unmögliche zu versuchen.Unser JUGOSLAWIEN stellt dem Reiselustigen eine Handvoll Perlen vor, die ernach eigenem Geschmack zu einer Kette zusammensetzen kann, indem ersich seine Reiseroute selbst ausarbeitet.Vielleicht wird er als Ausgangspunkt Dubrovnik wählen, die Prinzessin derAdria", die im dunkelsten Mittelalter die erste Stadtapotheke Europas gründeteund sich ein Theater leisten konnte, bevor Shakespeare geboren wurde. Dienächste Station wird dann wohl Korcula sein, die Insel, auf der das Stammhausder Familie Polo den Besucher an den berühmtesten Entdeckungsreisendendes Mittelalters erinnert. Von dort kann er sich nach Norden wenden, etwa bisnach Ribnica, dessen Händler Anno 1492 das Monopol erwarben, ihreHolzwaren in ganz Europa zu vertreiben; oder er kann nach Süden ziehen,zum Beispiel nach Rijeka Crnojevica, wo nur ein Jahr später das erste Buchin kyrillischer Schrift gedruckt wurde. Er wird seine Fahrt vermutlich inBelgrad beschließen, am Grabe des Mannes, dessen Bestattung dieGelegenheit zur größten Versammlung von Staatsmännern gab, die unserJahrhundert gesehen hat.Wohin er sich auch verirrt, stets wird die Natur den Reisenden mit stolzemLächeln empfangen. Sie ist sich wohl bewußt, daß sie Europas schönstenFluß, mächtigste Höhlen und tiefste Schlucht birgt; dazu mehr als tausend