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VORWORT
»Ich kann es dem Guten nicht verargen«, sagte Goethe, »daß er von Italien mit solcher Begeisterung redet; weiß ich doch, wie mir selber zumute gewesen ist! Ja ich kann sagen, daß ich nur in Rom empfunden habe, was eigentlich ein Mensch sei. Zu dieser Höhe, zu diesem Glück der Empfindung bin ich später nie wieder gekommen; ich bin, mit meinem Zustande in Rom verglichen, eigentlich nachher nie wieder froh geworden.« Dieses überwältigende Glücksgefühl, das der Nordeuropäer empfinden kann, der Italien auf einer Reise erlebt, und von dem Goethe hier - in einem Gespräch mit Eckermann -spricht, dieses Gefühl der Selbstwerdung, der Selbstfindung wird nicht nur durch das milde südländische Klima hervorgerufen, nicht nur durch die für unsere Begriffe freie, unkomplizierte Lebensart der Italiener, sondern gerade durch die Einmaligkeit der uralten Kultur dieses Landes, die dem Reisenden auf Schritt und Tritt begegnet. Hier hat die frühe Grabkunst der Etrusker ihre deutlich sichtbaren Spuren hinterlassen, hier sind noch die alten Tempel der Griechen erhalten, und in den Museen des Landes liegen mit die berühmtesten Kunstdenkmäler der Geschichte. Die Ruinen des Forum Romanum legen Zeugnisse der Kultur des römischen Reiches offen zutage. Hier kann man Höhepunkte und Strukturen des Mittelalters und die Sonderstellung der ravennatisch- und veneto-byzantinischen Kunst kennenlernen und Geburt und Kulmination der Renaissance und des Barock sowie den Klassizismus geistig nachvollziehen.
Italien hat wie kaum ein anderes Land seine Kultur durch Jahrtausende erhaben. Diese Kultur, deren Vielfältigkeit und weltweite Bedeutung fast grenzenlos ist, auf nur 832 Seiten darstellen zu wollen, scheint ein fast unmögliches Unterfangen. Da man aber davon ausgehen kann, daß die Gesamtheit einer Kultur auf einer der üblichen Reisen sowieso nur stichprobenartig erfahren wird, sahen es die Autoren dieses Bandes als ihr Anliegen, diese Stichproben so auszuwählen, daß sie dem Betrachter das Wesentliche vermitteln.
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