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Und nun endlich die Hauptgruppe des Ganzén, die ihresgleichen nicht hat in der Welt . . . Oben in harmonischem Aufbau fünf Turmbauten. Zunáchst der wunderliche Rathausturm, emporgegliedert wie eine zackige Faschingsmütze. In grandioser Majestát der entzückendste Triumph des Romanischen: die Kirche GroB-Sankt-Martin. Der Dom über alles hinwegragend und doch nicht das Symmetrische des ganzen Mittelstücks im Panorama durchbrechend - in dieser Abendstimmung vor dem goldflammenden Himmel anzuschauen fast mehr wie ein blaues Nebelphantom, als wie der schwerlastende Steinriese, der er doch ist, der Unterteil der Haupttürme zu violetter Masse verschmolzen, der Dachreiter ganz scharf, am Chor einzelne Spitzen vortretend. Und wiederum in absteigender Welle dann nach rechts, perspektivisch eng angeschmiegt, in weichem Duftblau die Jesuitenkirche, und noch weiter, noch kleiner, noch zarter im Blau die Krone auf dem Turm des Kirchleins, das die Gebeine der heiligen Ursula und ihrer elftausend Jungfrauen umschlieBt. Zwischen den nahen Ecktürmen der Rheinbrücke zeichnet sich scharf bis in jede Einzelheit die Silhouette des Reiterstandbildes Friedrich Wilhelms ív. ab. Aber noch ist das Panorama der >heiligen< Stadt nicht ganz erschöpft, hoch im Norden, über die Brücke kolossal wegragend, winken die Türme von Sankt Kunibert. Dort liegt das >Türmchen<, der andere Eckpfeiler des altén Köln, welcher allerdings jetzt, nach dem Wegfall der engeren Festungswerke, seine Bedeutung verloren hat. Immer goldener glánzt die Rheinflut, die orangerote Corona über dem Dom zerschmilzt in langen Streifen, dazwischen schimmert das Azúr des Himmels. Alles, selbst der nüchterne Eisenbau der festen Brücke, hüllt sich mehr und mehr in das zarte Duftblau . . . Aber in diesen Türmen steckt mehr als süBer Zauber der Romantik, ein wildes Kapitel der Weltgeschichte steckt darin und ein überwáltigend groBes Kapitel der Geschichte deutscher Kunst. (Wilhelm Bölsche, 1890)