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Köln damals gestern heute [antikvár]

Peter Fuchs

 
Das Bild der StadtKöln lebt. Das ist nicht selbstverständlich nach diesem Ausmaß der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Es ist müßig, den Grad der Vernichtung zu errechnen, ob es die meist-, die zweit- oder drittmeist-zerstörte Stadt Deutschlands war: Köln war äußerlich tot. Es könnte eigentlich nicht mehr existieren. Aber es lebt.Welcherart indes der innere Lebensfunke war, ob es einfach der ungetroffene Rest Kreatur war, der nach einem Naturgesetz weiternistete, oder ob es die vielbeschworene kölnische Mentalität war, die tief...
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Das Bild der StadtKöln lebt. Das ist nicht selbstverständlich nach diesem Ausmaß der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg. Es ist müßig, den Grad der Vernichtung zu errechnen, ob es die meist-, die zweit- oder drittmeist-zerstörte Stadt Deutschlands war: Köln war äußerlich tot. Es könnte eigentlich nicht mehr existieren. Aber es lebt.Welcherart indes der innere Lebensfunke war, ob es einfach der ungetroffene Rest Kreatur war, der nach einem Naturgesetz weiternistete, oder ob es die vielbeschworene kölnische Mentalität war, die tief unter den Bombentrichtern in ihrem Stammboden saß es ist eine ungeklärte Frage. Allein: daß der gesunde Menschenverstand, wäre es nur auf ihn angekommen, das Brachfeld aufgegeben oder anderweitig genutzt und damit die Geschichte des alten Köln abgeschlossen hätte, ist wohl sicher. Es haben also tieferliegende Kräfte mitgewirkt, Köln am Leben zu erhalten. Dies im übertragenen und im direkten Sinne: denn die Grundriß-Struktur der alten Stadt in Straßen- und Parzellenverläufen, in Kanal- und Versorgungsleitungen unter dem Tümmerschutt war sinnträchtig der praktische Zwang, sich in den Lebenszügen von damals zu orientieren und zu regenerieren. Die Idee eines jungfräulichen Neubeginns auf dem Reißbrett ist hypothetisch, hatte im ärmlichen Nachkriegsdeutschland weder die rechnende Liebe der Pragmatiker, noch die heiße Liebe der Nachlaßtreuen. Ein Trümmerhaufen von kölnischem Ausmaß in jenen Zeitläuften konnte nur ameisenhaft von innen und im Verlauf des alten Adernetzes abgebaut werden. Nichteinmal, ihn nach einem ordentlichen Plan als makabre Mahnstätte unbelebt liegenzulassen, wäre in jenen Tagen des Chaos möglich gewesen.Das Leben war zur Wucherung degradiert.Aber in Köln gab es Leitlinien einer zweitausend Jahre alten Stadtkultur man konnte sie freischaufeln. Das war kein bequemer, sentimentaler, provinzieller Rückgriff und Ausweg auf ausgebuddelte Tradition; das war in jenen haltlosen Zeiten geistig wie materiell die Besinnung auf die festen Fundamente eines bewährten, qualifizierten Niveaus. Und es war gleichzeitig Ansatz für den praktischen Voran- und Fortschritt in die neue Zeit. Die Neunmalklugen, die hinterher mit der Elle messen, wo Erreichtes fehlerhaft ist, sollten bedenken, daß Falsches menschlich-allzu-menschlich nur möglich wurde, weil etwas getan worden und etwas erreicht worden ist. Daß Köln lebt, ist gar nicht so selbstverständlich, wie es heute scheint.Gleichwohl ist Köln im ganzen gut gefahren, als es sich aus Not und Herzensengagement auf seine ursprüngliche Ordnung bezog, denn die war durch zwei Jahrtausende kein Produkt des Zufalls, sondern prägnanter, beispielhafter Ausdruck eines Stadtcharakters, sozusagen ein Idealschema der Urbanität, in römischen, fränkischen und reichsstädtischen Epochen dauerhaft geprägt. (Das stellen auch die neuzeitlichen Verkehrserfordernisse nicht in Frage; mit stadtbewußter Klugheit ist ihnen im alten Kölner Grundriß beizukommen. Alles ist nur eine Frage der Einpassung des Verkehrs statt der Auslieferung an den Verkehr.) So wuchsen aus dem freigelegten Grundschema die alten Bildkonturen der entscheidenden Stadtpartien, am Strom, am Dom, am Rathaus, auf der Hohe Straße und in den Vierteln, wie von selbst hervor gültige, unverbesserbare Zeugnisse einer ausgereiften, würdigheiteren Stadtphysiognomie. KeinNeuerer schafft ihresgleichen, und nichts ist ihr ebenbürtig weitum. Aus der Not, Trümmer zu behausen, wuchs also die Tugend, den Stadttypus zu erhalten: den Jüngeren und Neubürgern kaum erkennbar, denn die Details zum alten Duktus sind neuartig; den Älteren verwirrend, weil die Kulissen ausgewechselt sind. Die weithin zerstörten Oberbauten waren ja in den alten Gemäuern nicht wiederaufzurichten, sie mußten auf dem überkommenen Planum neuerstellt werden, unter Wandlungen und Zäsuren. Vieles ist dabei vergangen, vieles bis zur Unkenntlichkeit verändert. Den Wandel der Zeit und der Stile in das traditionelle Gefüge harmonisch einzufangen, ist manchmal gelungen, manchmal mißlungen. Der Vergleich der Bilder in diesem Buche wird zum Urteil führen. Meins lautet: Köln, eine neue Stadt mit altem Geist eine alte Stadt mit neuem Geist! Das ist nicht salomonisch, sondern eindeutig obsiegend für den Aufbauprozeß der Stadt Köln; denn sie durfte nicht entweder-oder werden, sondern nur sowohl-als-auch, alt und neu. Das schließt partielle Kritik keineswegs aus. Wer aber generaliter meint, die neue Aufbauarchitektur hätte eine radikale Abkehr von der alten Grundstruktur, von Kölns ewi-gem Grundriß, und eine prinzipielle Umkehr des Kölner Städtebaus, eine Abkehr von Kölns ewigem Panorama, erfordert, der übersieht nicht nur die Mühsamkeit der Entwicklung nach dem Kriege, und dem ist nicht nur die eminente Kraft der geradezu klassischen Vorstruktur unbewußt, sondern der hat auch nicht erkannt, daß Köln heute schon wieder als eine richtige, gewachsene, lebenswarme Stadt den Reißbrett-und Baukastenstädten vorgezogen wird. Das ist mehr, als man nur einige Jahrzehnte nach totaler Zerstörung erwarten kann. Dieses Buch zeigt in drei Abteilungen die Beharrlichkeit und den Wandel Kölns: Wie das Generalbild der Stadt wiedererstanden ist, wie in ihm markante Bauwerke ihre Individualgestalt geändert haben, und wie Straßen und Plätze unter Nachzeichnung der alten Verläufe sich neu präsentieren. Wer Köln damals kannte, sieht aus den Bildgegenüberstellungen erstaunt, wie diese Stadt anders geworden ist, und wer Köln nur heute kennt, lernt, wie es einmal anders war. Alle aber werden einhellig bewundern, wie aus Schutt und Asche von gestern das Köln von damals heute wohlbestellt in die Zukunft lebt. Ein imponierendes Phänomen.

Termékadatok

Cím: Köln damals gestern heute [antikvár]
Szerző: Peter Fuchs
Kiadó: Greven Verlag
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
ISBN: 3774302316
Méret: 250 mm x 310 mm
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