Bővebb ismertető
Alfred Schmidt
Lebenskraft und Lebenswille
„Der Landkreis Groß-Gerau im Städtedreieck Frankfurt
— Darmstadt — Mainz: Weltbekannte Industrien — Vorbildliches Gewerbe — Leistungsfähige Landwirtschaft
— Herrliches Naturschutzgebiet — Hervorragend verkehrsmäßig erschlossen." So lautet der Werbeslogan des Kreises Groß-Gerau, der im Jahr 1832 gegründet wurde und sich bis heute zum wirtschaftlich stärksten Landkreis in Hessen entwickelte. Besonders in den letzten zwanzig Jahren vollzog sich der Wandel vom Agrar- zum Industriekreis.
Sicher wird es erst in späteren Zeiten zu ermessen sein, was die Kreise, die Städte und Gemeinden nach 1945 leisteten. Der Wiederaufbau der kriegszerstörten Städte und Gemeinden ist ein leuditendes Beispiel für die Lebenskraft und den Lebenswillen der Bevölkerung. Audi im Landkreis Groß-Gerau hatte der Krieg tiefe Wunden gerissen. Es gab in der unmittelbaren Nachkriegszeit viele, die daran verzweifelten, aus dem verbliebenen Trümmerfeld wieder ein heiles Gefüge zu schaffen. Diese Aufgabe wurde jedoch bewältigt. Aus dem Landkreis wurde ein Musterkreis. Seine starke finanzielle Stellung gab ihm die Möglichkeit, die Probleme zu meistern. Das Zerstörte konnte nicht nur wieder aufgebaut werden, sondern darüber hinaus wurden neue, der Zeit entsprechende Akzente gesetzt. Das wirtschaftliche Leben florierte; alteingesessene Betriebe nahmen neuen Aufschwung und dehnten sich aus; bedeutende neue Unternehmen traten hinzu. Für die soziale Sicherheit der Bürger wurden die notwendigen öffendichen Einriditungen gebaut.
Kennzeichnend für die rasante Entwicklung ist die enorme Steigerung der Einwohnerzahl. Der Landkreis Groß-Gerau ist seiner Einwohnerzahl nach der drittgrößte hessische Landkreis. Ende 1968 lebten in dem 461 qkm poßen Gebiet 203 576 Mensdien. Mit 441 Einwohnern je qkm gehört er zu den am dichtesten besiedelten Kreisen Hessens. Gegenüber 1939 hat die Einwohnerzahl um 121 Prozent zugenommen. Seit Kriegsende wurde nicht nur der Flüchtlings- und Vertriebenenstrom aufgenommen, sondern die Bevölkerungszahl nahm auch von 1950 bis 1957, als in den meisten Landkreisen Wanderungsverluste eintraten, weiter zu (20 Prozent). Der hohe Wanderungsgewinn (45 600 Personen) von 1956 bis 1966 ist zum Teil auch auf Zuwanderungen von Ausländern zurückzuführen. Damit hängt zusammen, daß der Kreis der einzige in Hessen mit Männerüberschuß ist. Da die Geburtenhäufigkeit wieder anstieg, wurde die Bevölkerungsentwicklung auch durdi den natürlidien Bevölkerungszuwachs (14 000 Personen) begünstigt. Der Kreis ist seiner Siedlungsstruktur nach städtisch. Uber zwei Drittel der Bevölkerung (69 Prozent) lebten 1966 in acht Gemeinden mit über 10 000 Einwohnern (darunterRüsselsheim mit 53 200, Ginsheim-Gustavsburg mit 14 800 und die Kreisstadt Groß-Gerau mit 13 400 Einwohnern). Vier Gemeinden hatten 5 000 bis unter 10 000 Einwohner, drei Gemeinden 3 000 bis unter
5 000 Einwohner und elf Gemeinden 1 000 bis unter 3 000 Einwohner. Lediglidi in vier Gemeinden lag die Einwohnerzahl unter 1 000.
Der Anteil alter Leute war 1961 sowohl bei der männlichen als auch bei der weiblichen Bevölkerung der weitaus niedrigste in Hessen. Dadurch hatte der Kreis 1961 zusammen mit dem Landkreis Offenbach unter allen hes-sisdien Landkreisen auch die relativ niedrigste Rentenbevölkerung (knapp 16 Prozent). 84 Prozent der Einwohner lebten direkt oder indirekt hauptsächlich von Erwerbstätigkeit. Als Unterhaltsquellen hatten für diese Erwerbsbevölkerung die Dienstleistungsbereiche ein leicht unterdurchschnittliches Gewicht (Handel und Verkehr 1961 15 Prozent, die übrigen Dienstleistungen zusammen 14 Prozent), während zwei Drittel zum produzierenden Bereich gehörten. Demgegenüber gewannen nur noch 5 Prozent der Erwerbsbevölkerung ihren hauptsächlichen Lebensunterhalt aus der Land- und Forstwirtschaft. Durch die günstige Altersgliederung ist die Erwerbsquote der männlichen Bevölkerung (1961: 68 Prozent) nach der des Landkreises Offenbach die höchste unter den hessischen Landkreisen.
1961 übten 35 400 Berufstätige, das waren 44 Prozent aller im Kreis wohnenden Erwerbspersonen, ihren Beruf außerhalb ihrer Wohngemeinde aus. Von ihnen war 1961 gut die Hälfte im Kreis beschäftigt, etwa drei Zehntel waren in Frankfurt (Main) tätig und vom Rest etwa die Hälfte in Darmstadt, die anderen vorwiegend in Mainz oder Wiesbaden. Der Landkreis hatte 1961 die größte Einpendlerquote unter allen hessischen Landkreisen und war einer der wenigen Kreise mit positivem Pendlersaldo. Es gab 2 900 Einpendlet mehr als Auspendler. Der Anteil der Einpendlet an der Gesamtzahl der im Kreis Arbeitenden betrug 46 Prozent. Etwa die Hälfte der im Kreis arbeitenden Einpendlet kam von jenseits der Kreisgrenzen, vor allem aus dem Main-Taunus-Kreis, aus der Stadt und dem Landkreis Mainz, aus Wiesbaden sowie den Kreisen Alzey, Darmstadt, Dieburg u. a. Rund zwei Drittel aller 38 300 Einpendlet arbeiteten in Rüsselsheim; Ginsheim-Gustavsburg und Groß-Gerau hatten 1961 3 300 bzw. 2 900 Einpendlet. Der Kreis erreichte 1964 mit 1 767 Millionen Mark das höchste Bruttoinlandsprodukt unter den hessischen Landkreisen. Er trug damit fast 5 Prozent zur Wirtschaftsleistung des Landes bei. Relativ stark war die Zunahme gegenüber 1957 (127 Prozent). Pro Kopf der Wohnbevölkerung (9 600 DM) war das Wirtschaftsergebnis das höchste unter den hessischen Landkreisen und pro Kopf der Wirtschaftsbevölkerung (9 280 DM) das zweithöchste. Während die Land- und Forstwirtschaft nur einen unbedeutenden Anteil (1964: 2 Prozent) an der Wirt-schaftsleistung des Kreises hat, war das warenproduzierende Gewerbe mit 81 Prozent am Bruttoinlandsprodukt beteiligt, der weitaus höchste Anteil in Hessen. Weit dahinter zurüdi blieb die Bedeutung von Handel und Verkehr (7 Prozent) und der übrigen Dienstleistungen (10 Prozent).
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