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Schlendern wir im Menschengewühl einerfremden Stadt, so kann es vorkommen,daß unser Blick überrascht an den Fassadenneuerbauter Wohnblocks haften bleibt,daß wir die architektonische Gliederungund Farbgebung mit wahrer Entdeckerlustbetrachten. Wir werden in gepflegtenGaststätten verweilen, in den Hallen neu-entstandener Hotels, welche Behaglichkeit,hohe Wohnkultur und Eleganz in sichvereinen. Begierig auf weitere Eindrückespazieren wir durch die Hauptstraßen.Schaufenster locken, Kaufhäuser bietenWaren in Hülle und Fülle an. Neue...
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Schlendern wir im Menschengewühl einerfremden Stadt, so kann es vorkommen,daß unser Blick überrascht an den Fassadenneuerbauter Wohnblocks haften bleibt,daß wir die architektonische Gliederungund Farbgebung mit wahrer Entdeckerlustbetrachten. Wir werden in gepflegtenGaststätten verweilen, in den Hallen neu-entstandener Hotels, welche Behaglichkeit,hohe Wohnkultur und Eleganz in sichvereinen. Begierig auf weitere Eindrückespazieren wir durch die Hauptstraßen.Schaufenster locken, Kaufhäuser bietenWaren in Hülle und Fülle an. Neue Ver-waltungsgebäude künden bereits durch ihreAußenfronten von der Sachlichkeit der inihnen geleisteten Arbeit, die durch ein hohesMaß an Technik erleichtert wird. Wir findenmoderne Häuserblocks neben Altbauten,bemerken, wie sich Vergangenheit mitGegenwart mischt, wie die Behausungender Menschen früherer Jahrhunderte vonabgelebten Zeiten und Ereignissen sprechen.Irgendwo entdecken wir einen Renaissance-erker, eine Barockfassade, und so enthülltdie Stadt nach und nach ihre Reize. Derdafür Empfängliche wird im Dahintreibendas Glück einer solchen Stunde empfinden,sich selbst, inmitten der Menschenmassen,als einen Teil des Blutstroms, der das Herzder Stadt durchpulst. Irgendwie verliertman sich dann in stillen Parkanlagen, ineinsamen Winkeln, wo Kinder spielen undjung und alt die Sonnenwärme genießt.Auf grünen mit Blumen und Büschenbewachsenen Plätzen plätschern Spring-brunnen, und der Lärm von Autohupen,das Klingeln der Straßenbahn sind nur ganzfern vernehmbar. Jeder sollte dieses Ent-deckerglück genießen, den Tagesrhythmuseiner großen Stadt mitempfinden. Da ist dieMorgenfrühe mit den Schwalbenschreienum die Dachfirste, dem noch feuchten blank-gefegten Asphalt, den zahllosen Werktätigen,die zur Arbeit eilen, - da die Mittagsstunde,in der sich die Türen der Hochschulen undInstitute zur Pause öffnen und die Studie-renden das Gesicht der Straße bestimmen, -da die Abende mit Lichtkaskaden, die überHäuserwände gleiten, und Leuchtreklamen,die den Himmel färben.Dieses Buch will Reisefreuden wecken, willvon Leipzig erzählen, durch die traditions-reiche altehrwürdige und doch so jungeStadt führen, die ja nicht nur eine Stätte derweltbekannten Messe und des Handels ist,sondern auch Industriezentrum und seitJahrhunderten Niederlassung des Buch- undVerlagswesens, der Wissenschaften undKünste, nicht zuletzt aber seit den 60erJahren des 19. Jahrhunderts über lange Zeithinweg Zentrum der Arbeiterbewegung.Viele Fremde lernen Leipzig nur zurMessezeit kennen, vom Strom der Aussteller,Einkäufer und Besucher getragen. AuchGoethe schrieb von seiner Ankunft inunserer Stadt im Jahre 1765, sechshundertJahre nach ihrer Gründung, rückerinnerndin Dichtung und Wahrheit: Als ich inLeipzig ankam, war es gerade Meßzeit,woraus mir ein besonderes Vergnügenentsprang . . . Ich durchstrich den Marktund die Buden mit vielem Anteil . . .Einen heutigen Messebesucher wird es sicherinteressieren, daß damals, vor zweihundertJahren, die Zahl der Einkäufer und Ver-käufer bei sechstausend lag - damit höherals in Frankfurt (Main), der VaterstadtGoethes -, doch mit dem Stolz eines Bürgersunserer Republik wollen wir den Fremdenunterrichten, daß zu den Frühjahrsmessen,es gab, bis die Mustermessen eingeführtwurden, drei Messen im Jahr, etwa 80000Messegäste in Leipzig weilen, zehntausend

Termékadatok

Cím: Leipzig [antikvár]
Szerző: Ferdinand May
Kiadó: VEB F. A. Brockhaus Verlag
Kötés: Varrott keménykötés
Méret: 170 mm x 240 mm
Ferdinand May művei
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