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LÖWEN STADT
Als unsere Stadt, von der niemand genau weiß, wie alt sie ist, zum ersten Male beim Namen genannt wurde, schrieb man das Jahr 1015. Den Namen der Stadt schrieb man „urbs Libzi", das heißt „Stadt der Linden". Es gibt auch heute noch Linden im Stadtgebiet zu sehen, doch von den vielen Beinamen Leipzigs lautet heute keiner mehr: die Lindenstadt.
Leipzig, niemals Residenzstadt gewesen, wird heute von einem König beherrscht. Er hat seinen Platz im Wappen der Stadt, auf dem Rathaus, am Naschmarkt, und auch an vielen weniger markanten Stellen begegnet man ihm, dem Leipziger Löwen.
Natürlich gibt es auch eine Geschichte, wie der Löwe nach Leipzig gekommen ist. Die Stadt war schon immer berühmt wegen der vielen schönen Mädchen, die hier „auf den Bäumen wachsen". Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß sich der Ritter Hermann von Harras ein Leipziger Mädchen Zur Braut erkoren hatte. Doch noch bevor sie einander den Ring an den Finger stecken konnten, rief der Kaiser nach seinem Ritter. Kreuzzüge waren wichtiger als das Taubenglück der Landeskinder. Hermann gehorchte, versprach aber seiner Braut, keinesfalls länger als sieben Jahre wegzubleiben. Sie sollte solange auf ihn warten, in Treu und Lieb, versteht sich. Käme er bis dahin nicht wieder, wär' er gestorben und sie wär' wieder frei. Harras gedachte die Zeit im Felde nicht sinnlos verstreichen zu lassen, im Gegenteil, er wollte sie als Eheschule nutzen. Also fing er sich einen Löwen und übte - Geduld, indem er ihn zähmte. So verging die Zeit, und die