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Leningrad - Kunst und Architektur [antikvár]

 
Es gibt Städte, deren Existenz jahrhundertelang ohne Hast dahinfließt. Hunderte von Jahren wellen sie weit entfernt vom reißenden Strom der Geschichte: Eine Generation wechselt die andere, Jahre kommen und gehen, aber nichts Bedeutendes, nichts wahrhaft Großes geschieht in ihren Mauern. Es scheint, als wollten sie sich in das große Leben nicht einmischen, ja als wären sie selbst nicht lebendig, und auch Ihr Dasein kümmert niemanden. Als Maxim Gorkl das Städtchen Okurow schilderte, dachte er wohl an eine solche Stadt.Aber es gibt auch...
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Es gibt Städte, deren Existenz jahrhundertelang ohne Hast dahinfließt. Hunderte von Jahren wellen sie weit entfernt vom reißenden Strom der Geschichte: Eine Generation wechselt die andere, Jahre kommen und gehen, aber nichts Bedeutendes, nichts wahrhaft Großes geschieht in ihren Mauern. Es scheint, als wollten sie sich in das große Leben nicht einmischen, ja als wären sie selbst nicht lebendig, und auch Ihr Dasein kümmert niemanden. Als Maxim Gorkl das Städtchen Okurow schilderte, dachte er wohl an eine solche Stadt.Aber es gibt auch andere Städte: Seit den ersten Tagen ihres Bestehens erdröhnt der Widerhall ihres stürmischen, tätigen Lebens bis weit In die Welt hinein. Jedes neue Jahr ändert ihr Antlitz, und das Menschheitsgeschick trägt die untilgbaren Spuren jener Wandlungen. So eine Stadt war einst das alte Rom, so erscheint uns Paris, so ist auch Moskau, das heiße Herz unserer Heimat, und für Leningrad gilt das gleiche, wie es die Geschichte beweist.Schon 280 Jahre erhebt sich das Wunder mitternächtiger Lande am Newa-Fluß. Es ist eine kurz bemessene Zelt. In der Welt leben nicht wenig Menschen, die nur dreimal jünger als Leningrad sind. Doch welch eine breite Kluft trennt das Städtchen Pitersburch aus den ersten Jahren des 18. Jahrhunderts, jene kleine Grenzfestung auf der Insel eines rauhen Waldflusses, von der heutigen Riesenstadt aus Stein, Stahl und Beton! Welch ein majestätisches Schicksal!Jahre ungleichen Kampfes, heißer Hoffnungen, bitterer Enttäuschungen vergingen. Es wallte ein ganzes Meer aus Tränen des Volkes auf, und da endlich entflammte der helle Stern der größten aller Revolutionen auf der stolzen Stirn des nordischen Recken. Dort, wo einst die namenlosen Sklaven der Zaren schweigend starben, zermartert von unerträglicher Fron, vollbringen heute ihre freien Enkel und Urenkel ungeahnte, erstaunliche Leistungen. Wo einst die heftigen Trommeln Pauls I. schlugen und die Spießruten des Zarengünstlings Araktschejews in den Kasernen pfiffen, erklingt heute das lebendige Wort, wächst und erstarkt jenes neue Leben, von dem jahrhundertelang die besten Menschen träumten. Jeder Mensch, der an verlebte Jahre zurückdenkt, entsinnt sich der unvergeßlichen Tage des atemraubenden Aufschwungs, jener Tage, um deren eines einzigen willen vieles, ja ein ganzes Leben geopfert werden konnte. Solche Tage gab es auch In der Geschichte unserer Stadt und darunter jenen Oktobertag, an dem das Schicksal der Großen Oktoberrevolution auf den Straßen Petrograds entschieden wurde. Hier wurde die eiserne Garde der revolutionären Arbeiter gestählt, hier entstanden die ersten Regimenter jener Armee, die die gerade erst geborene Freiheit zu verteidigen und die alte Welt zu besiegen hatte.Der Dichter Wladimir Majakowski beschrieb den Tag am Vorabend der neuen Ära, am Vorabend des Sturms auf den Winterpalast und den Sieg des Oktober. Der Oktober kammit den üblichen Winden,ganz sowie In kapitalistischen Jahren, sah Straßenbahngleisesich strecken und winden und Autos über den Trolzkifahren.Das erstaunlichste war für die Petrograder dabei, daß dieser Tag ein Tag wie immer zu sein schien. Niedrig hing über der Stadt der graue, schon nicht mehr regenschwere, doch auch noch keinen Schnee verheißende Oktoberhimmel. Über die Trolzki-Brücke, wie damals die Kirow-Brücke hieß, eilten Autos und Wagen der Straßenbahn dahin, gingen Tausende und aber Tausende von Menschen Und viele ahnten nicht einmal, welcher Wende Ihr Leben sich näherte, ja das Leben eines ganzen Landes, der ganzen Welt. Könnten die Menschen die Zukunft voraussehen, dann hätten sie sich jeden Augenblick der damaligen Gegenwart In Ihr Gedächtnis eingeprägt.7

Termékadatok

Cím: Leningrad - Kunst und Architektur [antikvár]
Kiadó: Aurora-Kunstverlag
Kötés: Vászon
Méret: 290 mm x 330 mm
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