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Lutherstadt Wittenberg - Stätten der ReformationNachdem Luther im Jahre 1505 den Magistergrad erworben hatte, war der Weg für die höhere akademische Laufbahn frei. 1508 wurde er auf den philosophischen Lehrstuhl an der erst 1502 gegründeten Universität Wittenberg berufen. Dieser Lehrstuhl wurde jeweils durch Luthers Orden, die Augustinereremiten, besetzt, doch mußte Luther schon ein Jahr später ins Erfurter Kloster zurück. Bereits 1511 wurde er erneut - und diesmal endgültig - nach Wittenberg geholt und ihm hier nach seiner Doktorpromotion 1512 die Bibelprofessur übertragen. Zugleich beginnt Luther seine Predigttätigkeit zunächst in der Heilig-Geist-Kapelle, die er jedoch schon bald auf Ersuchen des Rates in die Stadtkirche (Bild 1 und Titelfoto) verlegt. Als zusätzliche Predigtaufgabe wird ihm dann noch die Kanzel der Schloßkirche (Bild 2) übertragen, allerdings nur in dem Fall der Anwesenheit des kurfürstlichen Hofes oder auch bedeutender Gäste des Kurfürsten. Mit großer Wahrscheinlichkeit hat Luther an die Tür dieser Kirche nach altem Brauch seine die Reformation auslösenden 95 Thesen gegen den Mißbrauch des Ablasses angeschlagen (Bild 3).Der durch Luther und Melanchthon bedingte Aufschwung der Wittenberger Universität und der damit einsetzende Zulauf der Studenten bewirkte eine rege Bautätigkeit in der Stadt, in deren Verlauf auch das 1535 fertiggewordene Rathaus (Bild 4 im Hintergrund) errichtet wurde. Luther wohnte im 1504-1508 erbauten Augustinerkloster (Bild 5) und blieb auch weiter dort, als seine Mitbrüder es verließen. 1525 heiratete er die ehemalige Nonne Katharina von Bora. 1532 übereignete der Kurfürst Luther das Gebäude mit dem allerdings erst 1566 errichteten Treppenturm (Bild 6), das so zum Lutherhaus, heute Lutherhalle, als Museum wurde. 1535 entsteht durch Umbau das Wohnzimmer Luthers, die heutige Lutherstube und 1540 wird auf Veranlassung von Frau Luther das mit einem spätgotischen Eselsrückenbogen versehene nach ihr benannte Katharinenportal (Bild 7) eingebaut. Zahlreiche Gäste und Studenten sind ständige Besucher im Lutherhaus.Luther hat Wittenberg in den ganzen Jahren nur zu seinen zahlreichen Reisen verlassen wie auch zu seiner letzten nach seiner Geburtsstadt Eisleben, die auch 1546 seine Sterbestadt werden sollte. Sein Grab (Bild 8) befindet sich in der Schloßkirche. Die Grabplatte entstand im 16. Jh., der Sandsteinsockel erst vor hundert Jahren. Das 1548 von Heinrich Ziegler in Erfurt gegossene Epitaph ist ein Nachguß, das Original befindet sich in Jena.Titelfoto: Marktplatz mit den Türmen der Stadtkirche St. Marien, der Predigtkirche Luthers. Im Vordergrund rechts das Melanchthon-Denkmal von F. Drake (1860).