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Erika Simon - Mainzer Zeitschrift 58, 1963 [antikvár]
 
DAS NEUGEFUNDENE BILDNIS DES GAIUS CAESAR IN MAINZvon Erika SimonAm 12. Mai 1961 wurde im Mainzer Boden ein lebensgroßer Marmorkopf gefunden, das Bildnis eines jungen Mannes, dessen Züge an die des Kaisers Au-gustus erinnern (Abb. 1-3,5,10,13,14) i). Der Kopf kam nicht bei einer wissenschaftlichen Grabung zutage, sondern als Gabe des Zufalls bei Bauarbeiten. Er gelangte in das Altertumsmuseum, das an seinem Fundort Nachprüfungen anstellte-). Sie ergaben, dalä der Kopf in einer sonst fundlosen Schicht gelegen hatte, und zwar in...
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DAS NEUGEFUNDENE BILDNIS DES GAIUS CAESAR IN MAINZvon Erika SimonAm 12. Mai 1961 wurde im Mainzer Boden ein lebensgroßer Marmorkopf gefunden, das Bildnis eines jungen Mannes, dessen Züge an die des Kaisers Au-gustus erinnern (Abb. 1-3,5,10,13,14) i). Der Kopf kam nicht bei einer wissenschaftlichen Grabung zutage, sondern als Gabe des Zufalls bei Bauarbeiten. Er gelangte in das Altertumsmuseum, das an seinem Fundort Nachprüfungen anstellte-). Sie ergaben, dalä der Kopf in einer sonst fundlosen Schicht gelegen hatte, und zwar in beträchtlicher Tiefe. Die Schichten darüber lieferten einige schwer bestimmbare Scherben nachantiker Zeit. In der Antike führte in der Nähe eine Straße vorbei. Gegen 1900 wurde die Region in das Mainzer Stadtgebiet einbezogen. In der Diskussion um den antiken Ursprung des Fundes, die sofort nach seiner Bekanntgabe durch K. H. Esser einsetzte und die bis jetzt noch nicht abgeschlossen ist, spielen diese Fakten immer wieder eine Rolle). Wegen ihrer spärlichen Aussage lassen sie sich aber nicht pressen, und da die Gegend inzwischen wieder völlig bebaut ist, lassen sich leider auch an Ort und Stelle Grabungen nicht mehr durchführen. So sind wir in der Beurteilung des Bildnisses zunächst auf seinen Stil angewiesen.BeschreibungDer Kopf besteht, wie ein Kenner feststellte, aus Marmor von Carrara, dem antiken Luni'). Er ist im ganzen gut erhalten, nur die Nasenspitze fehlt und ein Teil am Rand des rechten Ohres. Im Haar über der rechten Schläfe verläuft ein Sprung. Die Oberfläche ist auf der rechten Gesichtshälfte von einer rötlich-gelblichen Patina überzogen, auch an der linken Schläfe findet sich ein Fleck davon. Wurzelfasern fehlen selbst dies wurde als Argument gegen die Echtheit angeführt , doch jeder weiß, daß Wurzeln nicht in allen Bodenschichten anzutreffen sind. An der rechten Seite sitzen, zum Teil über der Patina, dunkelbraune Verfärbungen und Eisenoxydreste, die von dem Einschlag einer Bombe während des letzten Krieges herrühren. Sie würden sich entfernen lassen, aber dazu hat sich das Museum mit Recht nicht entschließen können, um den Befund nicht zu verändern. Vom Hals ist nur ein Stück erhalten, jedoch so viel, daß sich die leichte Bewegung des auf den ersten Blick so ruhigen Kopfes gerade noch ermessen läßt.Beobachtungen vor dem Original ergaben nämlich, daß das Gesicht im Verhältnis zur senkrechten Achse etwas nach seiner Linken geneigt war. Es kann ferner nicht für die reine Vorderansicht bestimmt gewesen sein, denn so hängt die rechte Wange zu tief herab urid wirkt dick, ja verschwollen (Abb. 2). Dieses Übel wird nicht kleiner, sondern stärker, wenn man den Kopf schräg von seiner rechten Seite her betrachtet (Abb. 3), die daher noch weniger die Ansichtsseitegewesen sein kann. Wählt man jedoch den entgegengesetzten Blickwinkel, von seiner linken Seite her also vom Betrachter aus gesehen von rechts , so gleicht sich die unschöne Schwellung aus (Abb. 1). Beide Wangen wirken nun ebenmäßig, der Übergang zum Hals natürlich. Der Kopf will also schräg von seiner linken Seite her betrachtet sein, am besten wohl so, daß man das rechte Ohr eben noch sieht. In dieser Ansicht tritt ein zweites günstig hervor: der weit ausladende Hinterkopf. Bei entsprechendem Blickwinkel auf der Gegenseite hat man den Eindruck, er sei überhaupt nicht vorhanden (Abb. 3). Der Kopf ist also asymmetrisch gebaut, und Nachmessungen bestätigen den Augenschein). Diese Asymmetrie hat jedoch nichts zu tun mit der bekannten Ungleichheit der beiden Hälften des menschlichen Antlitzes). Denn das Herabhängen der rechten Wange, die stärkere Ausbuchtung der linken Schädelseite lassen sich nicht als anatomisch bedingt erklären. Sie gehören nicht in den Bereich der Natur, sondern in den der Kunst, genauer, den der optischen Korrekturen" des Bildhauers. Für diese gibt es in der antiken Plastik, soweit sie auf eine bestimmte Ansichtsseite festgelegt war, zahlreiche Beispiele'). Regelmäßig begegnen sie im römischen Klassizismus, dessen Plastik bekanntlich auf Fassadenwirkung berechnet war. Unter den ganz erhaltenen Werken, an denen sich solche Beobachtungen am besten durchführen lassen, seien nur die Statue des Augustus von Prima Porta (Abb. 7)) und die von der Via Labi-cana (Abb. 4)") erwähnt. Beide sind nur für Vorderansicht bestimmt und verlangen, ähnlich wie ein Relief, eine einzige Blickebene, auf die sich die optischen Eingriffe beziehen. Diese sind zwar längst nicht so rigoros wie in der Flächenkunst, da ja immerhin plastische Substanz vorhanden ist; aber sie erstreben im Grund dieselbe Wirkung wie dort die Perspektive: das Kunstgebilde durch Veränderung der Naturform unter dem gewollten Blickwinkel um so natürlicher" erscheinen zu lassen. Wir halten fest: Die Dreiviertelansicht von seiner Linken her ist für den Mainzer Kopf, ähnlich wie übrigens bei vielen römischen Porträtstatuen'"), die vom Bildhauer vorgesehene Hauptansicht. Ihr gegenüber haben Aufnahmen imter anderen Blickwinkeln, sei es en face oder eines der beiden Profile (Abb. 5. 13), nur als Hilfsansichten zu gelten. Sie mögen zwar für die stilkritische Beurteilung des Kopfes wichtig sein, auch manche physiognomische Einzelheit, etwa die leichte Biegung der schmalen Nase, besser vermitteln. Für den eigentlichen Ausdruck des Antlitzes aber ist die Hauptansicht zu befragen. Diese Bemerkungen werden deshalb vorausgeschickt, weil bei der Beurteilung rundplastischer Bildnisse allzu oft ein beliebiger Blidipunkt beschrieben, eine zufällig vorhandene Photographie verwendet wird. Dabei besteht die Gefahr, daß der geschilderte Eindruck in Wirklichkeit nur auf den Photographen zurück-

Termékadatok

Cím: Mainzer Zeitschrift 58, 1963 [antikvár]
Szerző: Erika Simon , Harald von Petrikovits Karl Heinz Esser
Kiadó: Verlag des Mainzer Altertumsvereins
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 210 mm x 300 mm
Erika Simon művei
Harald von Petrikovits művei
Karl Heinz Esser művei
Bolti készlet  
Vélemény:
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