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DIE PRÄSIDENTEN DES MAINZER ALTERTUMSVEREINSvon Adam GottronVonrag am 20. 9. 1962 zum 90. Geburtstag des Ehrenpräsidenten Professor Hans KrämerWenn wir am lieutigen Abend mit festlichen Klängen den 90. Geburtstag unseres Ehrenpräsidenten Professor Hans Krämer feiern, so können wir das kaum besser tun als dadurch, daß wir sein fast ein Menschenalter dauerndes Wirken hineinstellen in das der Präsidenten, die den Verein 118 Jahre lang durch schöne und sdiwere Zeiten geführt haben. Um das Wirken und die Absichten dieser Männer zu begreifen, erscheint es angebracht, zunächst den Altertumsverein in seiner Wirksamkeit in Mainz und über Mainz hinaus kurz darzustellen. Professor Nikolaus Müller, der schon 1841 die Anregung zur Gründung des Vereins gab, umriß die Aufgaben mit den Worten: In patriae honorem, di-gnitatem, decus atque utilitatem vitam impendere vere nostrum dulce est officium". Daher veranstaltete man zunächst Ausgrabungen, sammelte römische, germanische und mittelalterliche Bodenfunde und .Antiquitäten und machte sie der Allgemeinheit zugänglich. Die Einführung der staatlichen Denkmalpflege 1902 schien den Verein überflüssig zu machen. Aber gerade von da an vervielfachte er seine Vortragsabende, seine Exkursionen, arbeiteten seine aktiven Mitglieder an der geschichtlichen Erforschung der Vaterstadt Mainz und darüber hinaus an der mit ihr zusammenhängenden Kulturlandschaft und machten ihre Forschungsergebnisse weiten Kreisen zugänglich, ohne sich auf bestimmte Zeiträume zu beschränken.Man kann in acht Punkten die Bedeutung des Altertumsvereins zur Anschauung bringen.1.Im untersten Geschoß der Stadtbibliothek stehen vier Doppelgestelle mit Büchern, die mit der Signatur AV 11515 gezeichnet sind. Das ist die ehemalige Bibliothek des Altertumsvereins, die dadurch gerettet wurde, daß sie der Stadtbibliothek übertragen wurde, während das Archiv des Vereins verbrannte. Die angefangenen Zeitschriften-Reihen dieser Bibliothek werden heute von der Stadtbibliothek weitergeführt, und zwar auf die Weise, daß die Zeitschrift des Vereins, die Mainzer Zeitschrift, in Tausch gegeben wfrd').2.Das Altertumsmuseum entstand aus dem Zusammenschluß der Sammlungen der Stadt und des Altertumsvereins, der von 18551909 die Sammlungen betreute. Deshalb findet man in dieser Zeit im Vorstand immer das Amt des Konservators. Der letzte war Professor Neeb, der bis 1934 als Direktor amtete.3.Das weithin berühmte Römisch-Germanische Zentralmuseum ist 1852 aus dem Altertumsverein heraus gegründet worden.4.Ein Gesuch des Altertumsvereins an Bischof Ketteier regte 1855 die Inventarisierung der kirchlichenDenkmäler an. 1859 wurde auf Grund dieser Anregung der Verein für christliche Kunst gegründet (Direktor Philipp Veit).5.Der Altertumsverein regte im Jahre 1852 den Zusammenschluß aller deutschen Geschichts- und Altertumsvereine an.6.Der Altertumsverein gab von 18451905 vier Bände als Zeitschrift des Vereins zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Altertümer" heraus. In Fortsetzung dieser Serie erscheint jährlich seit 1906 die Mainzer Zeitschrift".7.Die Beiträge zur Geschichte der Stadt Mainz", von denen jetzt 18 Bände vorliegen, wurden auf Anregung und unter Mitarbeit des Ältertumsvereins mit Unterstützung seitens der Stadt ins Leben gerufen. Es besteht eine eigene Kommission zur Herausgabe.8.1961 wurde aus dem Mainzer Altertumsverein heraus die Arbeitsgemeinschaft für mittelrheinische Musikgeschichte gegründet, die jetzt schon eifrig zu publizieren beginnt.Ein Verein, der durch ca. 120 Jahre ein solches Leben entfaltet hat, konnte dies nur durch die uneigennützige Tatkraft seiner Präsidenten und ihrer Helfer. Daß nicht alle die gleiche Chance hatten, für den Verein zu arbeiten, ergibt sich aus der verschieden langen Dauer ihrer Präsidentschaft, die zwischen Va Jahr und 30 Jahren schwankt. Unser Jubilar steht mit 22 Jahren Präsidentschaft in der Mitte zwischen Lindenschmit, der 30 Jahre Präsident war, und Körber, der 16 Jahre lang dem Verein vorstand. So gehört er zu den Männern, die den Verein lange Jahre führen durften, und man kann sagen, daß es schwerere Zeiten waren als die der anderen Präsidenten und daß er trotzdem es fertiggebracht hat, den Verein auf seinem Niveau zu halten, in einer Zeit, die glaubte, Geschichte nach ihren Wünschen und Phantasien schreiben zu müssen. Das sei ihm am heutigen Tage gedankt.Beginnen wir mit der Reihe der Präsidenten.1. Dr. Josef Emele (18441847)Die eigentliche Gründung des Vereins geht auf den Mainzer Professor der Zeichenkunst am Gymnasium Nikolaus Müller zurück. Besonderen Umständen ist es zuzuschreiben, daß der Verein nicht schon 1823, sondern erst 1844 gegründet wurde. Der erste Präsident Emele war am 15. 6. 1796 in Alzey geboren, wo sein Vater Bürgermeister war. Er besuchte das Lyzeum in Mainz, wurde in der Schlacht vor Leipzig verwundet, erhielt das Kreuz der Ehrenlegion und studierte in Gießen Altertumswissenschaft und Jurisprudenz. Als Dr. jur. wirkte er von 18181825 als Advokatsanwalt in Mainz, sodann als Friedensrich-